Anabolika und dessen Folgen

INHALT

EINLEITUNG                                                                              1

Mögliche Vorteile des Steroidgebrauchs                                   9

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen                       10

Der Umgang mit Nebenwirkungen                                          12

Vermeidung von Nebenwirkungen                                          12

Veränderungen im Blutbild                                                       13

KAPITEL II FEHLFUNKTIONEN DER LEBER                                                 15

Verringerung der Toxizität fier die Leber                                21

Pharmakologische Hepatoprotektoren                                     22

Propylthiouracil und Colchicin                                            23

Malotilat                                                                                 23

Natürliche Hepatoprotektoren                                                   25

Glutathion                                                                              25

Vitamin E und Selen                                                             25

Evening Primrose 01                                                            26

Andere pflanzliche Hepatoprotektoren                               26

Leberenzyme als Vorzeichen

fier Fehlfunktionen der Leber                                                   28

IV

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

KAPITEL III HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN                             31

Hemmung der

Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse                               34

Minimierung der Auswirkungen anaboler Steroide

auf das Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System                38

Choriongonadotropin                                                          39

Gonadotropin Releasing Hormon                                      40

Spurenelemente und Vitamine                                           41

Behandlung einer verbleibenden Fehlfunktion

der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse                         42

Antiöstrogene —Tamoxifen, Clomifen, Cyclofenil         46

GnRH und GnRH-Agonisten

zur therapeutischen Anwendung                                        48

Anabole Steroide, ACTH, TRH und

die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse                  50

Haarausfall und Kahlköpfigkeit                                                53

Behandlung von Haarausfall und Kahlköpfigkeit            54

Auswirkungen anaboler Steroide

auf Haarausfall und Kahlköpfigkeit                                  57

Feminisierende Wirkungen anaboler Steroide                        59

Östrogenproduktion beim Mann                                        62

Gynäkomastie                                                                       62

Der weibliche Athlet und anabole Steroide                             66

Kahlköpfigkeit                                                                     67

Hirsutismus                                                                          68

Behandlung von Hirsutismus                                             70

Akne und anabole Steroide                                                       73

Behandlung von Akne                                                        75

KAPITEL IV ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM                                   79 Cholesterin und anabole Steroide                                                82 Diätetische Maßnahmen                                                               87 Supplements und Medikamente                                                   88 Cerebrale Hämorrhagie und Schlaganfall                                   91

V

INHALT

KAPITEL V PSYCHOLOGIE DES

STEROIDGEBRAUCHS

KAPITEL VI ANABOLE STEROIDE UND DAS IMMUNSYSTEM

KAPITEL VII ANDERE NEBENWIRKUNGEN                                             103

AIDS und Hepatitis                                                                  103

Dickdarmkrebs                                                                          103

Höhere Verletzungsanfälligkeit

durch anabole Steroide                                                             104

Insulinresistenz und anabole Steroide                                    105

Fehlfunktionen der Nieren                                                        105

Priapismus                                                                                 106

Prostatahyperplasie und -krebs                                                106

QUELLEN                                                                                108

ANHANG
Medikamente
124

ÜBER DEN AUTOR                                                                135

VI

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

EINLEITUNG

Die meisten Athleten scheinen von den Nebenwirkungen anaboler Steroide weitgehend verschont zu bleiben. Auch wenn hohe Dosie­rungen über einen längeren Zeitraum zugefiihrt werden, zeigt die klinische Praxis, daß kurzfristige Nebenwirkungen fast immer rever­sibel sind. Selbst einige der ernsten Nebenwirkungen, wie Beein­trächtigungen der Leber und Erhöhungen des Serumcholesterins, können durch regelmäßige Untersuchungen, eine Änderung der Lebensgewohnheiten und, wenn nötig, Medikamente minimiert werden. Das Ausbleiben signifikanter Nebenwirkungen bei längerer Verwendung niedriger bis moderater Mengen von Testosteron und einigen anabolen Steroiden wurde in einer Reihe klinischer Studien zur Nutzung anaboler Steroide als Kontrazeptivuma fir Männer ermittelt.

Ein Großteil dieser Forschungsarbeit wurde und wird von der World Health Organization und unabhängigen Forschern bewältigt; dabei wurden Kombinationen von Testosteron, anabolen Steroiden (besonders 19-Nortestosteron),12 Medroxyprogesteronacetat und

a        Kontrazeptivum — Verhütungsmittel

1

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Methyltestosteron,3 sowie Agonistena und Antagonistenb des Gonadotropin-freisetzenden Hormons (Gonadoliberin, GnRH) untersucht. Einige dieser Hormonkombinationen verringerten sig­nifikant die Spermienzahl männlicher Probanden, ohne daß ernste kurz- oder langfristige Nebenwirkungen auftraten (zumindest nicht während die Untersuchungen andauerten). Bei diesen Studien stell­te sich die normale Spermienproduktion kurz nach dem Absetzen der verschiedenen Verbindungen wieder ein.

Bei Personen, die empfindlich auf solche Hormonpräparate rea­gieren, und jenen Leuten, die hohe Dosen über längere Zeit verwen­den, können anabole Steroide allerdings zu ernsthaften kurz- oder langfristigen Nebenwirkungen führen: Folgerichtig ist beinahe jedem bewußt, welche Leberprobleme bis hin zu Krebserkrankun­gen durch anabole Steroide ausgelöst werden können.

Potentiell gefährliche Nebenwirkungen für das Herz-Kreislauf-System entstehen durch unbehandelte Veränderungen des Serum­cholesterinspiegels. Herzerkrankungen bis hin zum Herzinfarkt sind bereits vereinzelt bei Sportlern aufgetreten, die anabole Steroi­de einnehmen. Welche Rolle anabole Steroide dabei gespielt haben, ist jedoch umstritten. Um die volle Tragweite der Komplikationen eines langfristigen Steroidgebrauchs zu erfassen, brauchen wir exak­tere und kontrolliertere Langzeitstudien. Bis dahin bleiben uns nur wenige Fakten, aber viele Vermutungen. In diesem Buch habe ich

a          Agonist — von griech. agonistes: Wettkämpfer; hier: Verbindung, die mit GnRH um Rezeptorstellen konkurriert

b         Antagonist — von griech. agonistes und anti: Widersacher, Gegenspieler; hier: Verbindungen, die GnRH hemmen

2

EINLEITUNG

durch Erörterung und Analyse der derzeit verfügbaren Informa­tionen aus Wissenschaft und Sport versucht, die Spreu vom Wei­zen zu trennen und die Ergebnisse durch eigene Beobachtungen und Schlußfolgerungen zu vervollständigen.

KAPITEL I

ÜBERBLICK

Die Nebenwirkungen anaboler Steroide lassen sich in zwei Grup­pen einteilen. Die eine umfaßt alle Effekte, die ein »Entgleisen« der erwarteten pharmakologischen Wirkung darstellen. Bei Männern wären in diesem Zusammenhang Gynäkomastie,a Flüssigkeitsreten-tion,b Akne, Veränderungen der Libido,` Oliigospermie,d und gestei­gerte Aggressivität zu nennen.

Bei Frauen treten im allgemeinen Amenorrhöe und andere Unre­gelmäßigkeiten bei der Menstruation auf. Desgleichen besteht die Möglichkeit virilisierenderf Effekte durch den Gebrauch anaboler Steroide. Einige dieser Nebenwirkungen — dazu zählen eine Vertie­fung der Stimme, Hirsutismus,g Haarausfall wie beim Mann, Ver‑

a    Gynäkomastie — Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann

b    Retention — Vermehrte Einlagerung von Flüssigkeiten im Körpergewebe

c     Libido — Geschlechtstrieb

d    Oligospermie — verringerte Anzahl und Aktivität der Spermien

e     Amenorrhö — Ausbleiben der Menstruation

f     virilisierend — vermännlichend

g     Hirsutismus — vermehrte Körperbehaarung und rauhe Haut

4

ÜBERBLICK

kleinerung der Brust und Vergrößerung der Klitoris — können teil­weise durch Absetzen der anabolen Steroide oder, falls nötig, durch Anwendung von Androgep-Antagonisten wie Cyproteronacetat rückgängig gemacht werden.

Bei den meisten Männern gehen die hormonellen Parameter auf den Normalwert zurück, nachdem die anabolen Steroide abgesetzt werden. Eine Ausnahme bilden vielleicht jene Athleten, die große Mengen anaboler Steroide über ausgedehnte Zeiträume zugeführt haben. In einigen dieser Fälle kann der Serumspiegela des Testoste­rons infolge einer Hodenatrophieb und Störungen der Wechselbe­ziehungen zwischen Hypothalamus,‘ Hypophyse“ und Hoden (Hypothalamus-Hirnanhangdrüse-Hoden-Achse)e für Wochen und Monate verringert bleiben. Gelegentlich erreicht der Serumtestoste-ronspiegel seinen Normalwert nicht wieder, was eine Langzeitthera­pie mit exogenenf Hormonen oder hormonfreisetzenden Stoffen erfordert.

Die andere Gruppe von Nebenwirkungen bilden jene Störungen, die auf den ersten Blick nicht durch die anabolen oder androgenen Eigenschaften anaboler Steroide hervorgerufen werden. Diese Ne­benwirkungen führen zu mehr als nur kosmetischen Veränderungen

a    Serumspiegel — Gehalt einer Substanz im Blutserum; es wird unterschieden zwischen Blutserum und Blutplasma

b Atrophie — Schrumpfung

c     Hypothalamus — unter dem Thalamus (Teil des Gehirns, durch den alle zur Großhirnrinde führenden Nervenstränge verlaufen) liegender Teil des Zwischenhirns

d Hypophyse —Hirnanhangdrüse

e     Hypothalamus, Hypophyse und Hoden bilden einen hormonellen Regelkreis, der die Testosteronproduktion beim Mann steuert

f     exogen — von außen stammend, körperfremd

5

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

und schließen Erhöhungen des Serumcholesterinspiegels, Erkran­kungen des Herz-Kreislauf-Systems, Prostatakrebs, Fehlfunktionen der Nieren, Beeinträchtigungen des Kohlenhydratstoffwechsels, emotionale Störungen, erhöhte Anfälligkeit für Muskel- und Seh­nenverletzungen, Atheroslderosea und Fehlfunktionen der Leber (mit seltenen Fällen von Leberzirrhose),“ hepatozellulärenc Karzi­nomen und Peliosis hepatisd ein.

Die Nebenwirkungen der zweiten Gruppe stellen für den Athle­ten, der anabole Steroide einsetzt, eine ernste Bedrohung dar. Sie werden aber nicht nur von den Medien, sondern auch in der wissen­schaftlichen Literatur teilweise falsch dargestellt. Nicht selten hat der Sensationsaspekt Vorrang vor objektiver Information. Wie ein­gangs schon erwähnt, benötigen wir besser kontrollierte Langzeit­studien, um die Risiken eines langfristigen Gebrauchs anaboler Ste­roide exakt bestimmen zu können.

Um einen Standpunkt zu den potentiell lebensgefährlichen Nebenwirkungen einnehmen zu können, ist ein Vergleich von ana-bolen Steroiden und oralen Kontrazeptiva (der »Pille«) eine große Hilfe. Besonders geeignet erscheint ein Vergleich der vor 1980 ge­wonnenen Daten, als noch höhere Hormondosierungen eingesetzt wurden. Im allgemeinen sind die Nebenwirkungen niedriger bis mittlerer Dosen anaboler Steroide denen vergleichbar, die Frauen

a Atherosklerose — Atheromatose (Ablagerungen in den Blutgefäßen) und Arteriosklerose (Verhärtung der Blutgefäße)

b    Zirrhose — auf einer Entzündung beruhende Wucherung des Bindegewebes, die das Drüsengewebe angreift

c     hepatozellulär — in den Zellen der Leber

d    Peliosis hepatis — blutgefüllte Zysten in der Leber

6

ÜBERBLICK

bei Einnahme oraler Kontrazeptiva erfahren. Die Risiken dieser weltweit verwendeten und weithin akzeptierten Methode der Empfängnisverhütung werden in einem Bericht des kanadischen »Special Advisory Committee an Reproductive Physiology to the Health Protection Branch, Health and Welfare« über orale Kontra-zeptiva (erschienen in Kanada 1985) herausgestellt. Die Aufzäh­lung möglicher Nebenwirkungen deckt sich weitgehend mit denen des Gebrauchs anaboler Steroide. Unterschiede ergeben sich natür­lich daraus, daß anabole Steroide überwiegend von Männern einge­setzt werden. Andererseits greift der Gebrauch anaboler Hormone auch unter Frauen in den Kraftsportarten wie Gewichtheben, Powerlifting, Bodybuilding und in den Leichtathletikdisziplinen immer mehr um sich.

Beim Studium der neueren Literatur wird deutlich, daß die Ein­nahme oraler Kontrazeptiva mit ähnlichen Nebeneffekten wie Le­bererkrankungen, einschließlich Leberzell-Adenomena und Leber-krebs,456 sowie einer Veränderung des Serumcholesterinspiegels verbunden ist. Kürzlich wurde sogar von Peliosis hepatis als mögli­cher Folge der Langzeitnutzung oraler Kontrazeptiva berichtet.? Diese Erkrankung tritt sonst vorwiegend bei Tuberkulosekranken und solchen Patienten auf, die mit androgenen Steroiden behandelt werden.

Die Nebenwirkungen anaboler Steroide können auch in vorüber­gehende und langfristige Effekte gegliedert werden. Während viele der vorübergehenden Nebenwirkungen heute gut verstanden wer‑

a    Adenom — gutartige Geschwulst

7

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

den (besonders jene, die in paradoxen Veränderungen der Geschlechtsmerkmale zutage treten — Virilisierung bei Frauen und umgekehrt die Ausbildung weiblicher Merkmale bei Männern), sind die Langzeitfolgen des Steroidgebrauchs schwerer zu erfassen. Einige Wissenschaftler nehmen an, daß eine längere Verwendung anaboler Steroide bei Personen mit entsprechender genetischer Ver­anlagung Leberzirrhose, Peliosis hepatis, primäre Hepatome, Athe-rosklerose, Herzerkrankungen, Diabetes und Prostatakrebs verursa­chen kann.

Es existiert jedoch kein klinischer oder experimenteller Nach­weis, daß anabole Steroide bei gesunden Sportlern irgendeine Aus­wirkung auf die Lebensdauer haben oder daß ein längerer Gebrauch zu Erkrankungen der zuvor erwähnten Organe führt. In diesem Zusammenhang ist ein Umstand besonders interessant: pbwohl seit über drei Jahrzehntén erhebliche Mengen anaboler Steroide von Athleten verwendet werden, sehen wir keine signifikanten Langzeit­wirkungen bei Sportlern, die anabole Steroide in den Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahren eingesetzt haben.

Allerdings könnte der veränderte Gebrauch anaboler Steroide während der letzten zehn Jahre — gekennzeichnet von weiterer Ver­breitung, höherer Dosierung und längerer Nutzung — in naher Zukunft schwerwiegendere Probleme enthüllen.

Im Augenblick laufen mehrere wissenschaftliche Untersuchun­gen zu den Langzeitfolgen der Verwendung anaboler Steroide, die durchaus zu neuen Ergebnissen führen könnten. So sollten in einer 1987 angekündigten Studie Footballspieler und Powerlifter auf mögliche Langzeitfolgen aus dem Gebrauch anaboler Steroide in Wettkämpfen der Siebziger Jahre untersucht werden.8 Obwohl die

8

ÜBERBLICK

Möglichkeit bleibender Schäden durch Steroidgebrauch gering sein mag, gibt es Wege, nicht nur das Auftreten, sondern auch die Ge­fährlichkeit potentieller Nebenwirkungen zu reduzieren.

MÖGLICHE VORTEILE DES STEROIDGEBRAUCHS

Während ein Großteil der Literatur sich den tatsächlichen und eventuellen Nebenwirkungen anaboler Steroide widmet, werden die möglichen vorteilhaften Wirkungen nur selten erwähnt. Ebenso wie bei der Frau die Pille, kann auch der Gebrauch anaboler Steroide positive Wirkungen nach sich ziehen. Empfängnisverhütende Mittel bieten einen gewissen Schutz vor einigen Krebsarten (Tumore der Ovarien‘ und der Gebärmutter); anabole Steroide könnten sich in ähnlicher Weise als Schutz vor verschiedenen Krebsarten beim Mann, z.B. Hodenkrebs, herausstellen.

In de#. Tat finden sich für anabole Steroide über die bekannten therapeutischen Anwendungen hinaus, etwa bei der Diagnose und Therapie einer unzureichenden Ausschüttung von Wachstumshor­mon, isoliertem Gonadotropinmangelb und verzögerter Pubertät auch neue Einsatzgebiete.9 Nandrolon (Durabolin, Deca-Durabo-lin) z.B. könnte sich als eine der wirksamsten Substanzen zur Behandlung der Osteoporose‘ in der Menopause entpuppen. Wegen ihrer fibrinolytischend Wirkung könnten anabole Steroide sich dar­über hinaus bei der Behandlung verschiedener thrombo-emboli‑

a       Ovarien — Eierstöcke

b    Gonadotropine — Hormone, die auf die Keimdrüsen einwirken

c     Osteoporose — Knochenentkalkung

d    fibrinolytisch — das Fibrin (Faserstoff, der bei der Blutgerinnung entsteht) auflösend

9

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

scher Erkrankungena, einschließlich Erkrankungen der Herzkranz­gefäße und bei Schlaganfällen von Nutzen sein. Nicht ohne Ironie (schließlich gelten Fehlfunktionen der Leber und kardiovaskuläreb Erkrankungen als die schlimmsten Nebenwirkungen dieser synthe­tischen Hormone) ist die mögliche Verwendung anaboler Steroide in der Therapie alkoholbedingter Erkrankungen der Leber sowie einiger kardiovaskulärer Probleme.11

KONTRAINDIKATIONEN

UND VORSICHTSMASSNAHMEN

Im allgemeinen kann man sagen, daß bestimmte Athleten anabole Steroide unbedingt meiden sollten. Falls sie dennoch das Risiko auf sich nehmen wollen, so ist die begleitende Aufsicht erfahrener (!) Ärzte zwingend erforderlich. Anabole Steroide dürfen bei Zutreffen nur einer der nachstehend aufgeführten Konditionen auf keinen Fall verabreicht werden:

  • Prostatakrebs
  • Leberkrebs
  • Peliosis hepatis
  • Schlaganfall oder Herzinfarkt (wenn eine signifikante Arterienverengung vorliegt)
  • chronische Erkrankungen der Leber

a    thrombo-embolische Erkrankungen — Erkrankungen, die durch Thrombose (Blutgerinnung, von griech. thrombos — Klumpen, Tropfen) und Embolie (Verschluß eines Blutgefäßes durch einen Pfropfen geronnenen Blutes) hervorgerufen werden

b    kardiovaskuläre Erkrankungen — Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

10

ÜBERBLICK

Darüber hinaus gibt es einige Vorbedingungen, bei denen vom Gebrauch anaboler Steroide abzuraten ist. Dazu zählen:

  • hoher Blutdruck
  • Diabetes
  • erhöhter Serumcholesterinspiegel
  • Erkrankungen von Herz oder Leber
  • Probleme mit der Prostata
  • Störungen der Blutgerinnung, Neigung zu Blutungen
  • vorhergehende Erkrankungen der Leber

Trifft auch nur eine dieser Konditionen zu (oder im Falle einer bekannten Prädispositiona in der Familie), sollte der Athlet seine Entscheidung, anabole Steroide einzusetzen, noch einmal überprü­fen. Falls er sich fir die Einnahme entschließt, so ist eine sorgfältige medizinische Überwachung unbedingt erforderlich.

Jeder Sportler, der anabole Steroide einnimmt und mit einer oder mehreren der bereits erwähnten Nebenwirkungen konfrontiert wird, sollte die Steroide entweder sofort absetzen oder effektive Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Nebenwirkungen einleiten. Doch auch wenn das Steroid (oder die Steroidkombination) sofort abgesetzt wird, und natürlich bei Fortsetzung der Steroidkur inklusi­ve der Anwendung geeigneter Mittel zur Bekämpfung aufgetretener Nebenwirkungen, muß das (wenn auch geringe) Risiko akzeptiert werden, daß ernste Spätschäden eintreten, im schlimmsten Fall bis hin zu möglichen Krebserkrankungen und lebensbedrohenden kar­diovaskulären Komplikationen.

a   Prädisposition — Anlage, Empfänglichkeit für eine Krankheit

11

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE
DER UMGANG MIT NEBENWIRKUNGEN

Obwohl viele mögliche Kurz- und Langzeitfolgen anaboler Steroide denkbar sind, können die meisten dieser Nebenwirkungen durch umsichtige Verwendung, Absetzen der Substanzen oder andere Maßnahmen minimiert werden. Im ganzen sind die Risiken, die mit dem Gebrauch anaboler Steroide einhergehen, nicht so groß, wie uns Sportverbände und Medien glauben machen wollen.

Die meisten Untersuchungen zum Thema zeigen bei Männern den Rückgang jeglicher Nebenwirkungen und die Wiederherstel­lung einer normalen Hodenfunktion innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Absetzen der Steroide (abhängig von Dauer der Ein­nahme, Präparat und Dosis — siehe oben).

Viele Sportler, die höhere Dosen zweier oder mehr anaboler Ste­roide über längere Zeit hinweg einnehmen, sind sich durchaus der Risiken bewußt, die mit der Anwendung dieser Hormonsubstanzen verbunden sind. Solche Athleten setzen oft Methoden und Präpara­te ein, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Dies geschieht sowohl mit als auch ohne medizinische Aufsicht.12 Leider nutzen nur weni­ge Athleten die Vorteile einer korrekten medizinischen Vor- und Nachbehandlung, was aber sehr zu empfehlen wäre.

VERMEIDUNG VON NEBENWIRKUNGEN

Sportler sind sich im allgemeinen der vielen Nebenwirkungen ana-boler Steroide bewußt und setzen häufig andere Präparate oder Supplements (Nahrungsergänzungsmittel) ein, um ihrer Gefähr­lichkeit entgegenzuwirken oder sie zu mindern. So wird beispiels­weise von männlichen Athleten Tamoxifen (Nolvadex) benutzt, um

12

ÜBERBLICK

östrogene Wirkungen des Testosterons und einiger aromatisieren­der anaboler Steroide zu reduzieren. Tetracyclin und andere Anti­biotika (auch Akne-Cremes usw.) werden gegen Pickel und Furun­kel eingesetzt. Frauen versuchen, die virilisierenden Effekte durch Verwendung von weniger androgenen Substanzen und/oder einer Anti-Baby-Pille mit hoher Östrogen- und geringer Progesteronwir-kung zu mindern (sie benutzen orale Kontrazeptiva, in denen die Progesteronkomponente minimale androgene Eigenschaften auf­weist).

Evening Primrose Öl, Glutathion und hepatoprotektivea Sub­stanzen aus Sträuchern und Kräutern werden zur Abschwächung der leberschädigenden Effekte oraler alpha-l7-alkylierterb anaboler Steroide benutzt.

VERÄNDERUNGEN IM BLUTBILD

Wird das Blut von Athleten untersucht, die anabole Steroide ein­nehmen, so lassen sich einige Anomalien‘ feststellen. In den mei­sten Fällen zeigen diese Abweichungen aber keine Fehlfunktion oder Krankheit an. Eine geringe bis mittlere Erhöhung der Werte bei Leberfunktionstests und Enzymen ist häufig zu beobachten und überwiegend harmlos, da diese Enzyme eher aus der strapazierten Muskulatur als aus der Leber freigesetzt werden. Erhöhte Leber‑

a    hepatoprotektiv — leberschützend

b    alpha- 17-alkyliert — an der alpha-17 Stelle des Steroidmoleküls ist eine Alkylgruppe angehängt; orale anabole Steroide (Steroide in Tablettenform) sind fast immer alpha- 17-alkyliert. Der vorzeitige Abbau durch die Leber wird so verhindert.

c        Anomalie Abweichung von der Regel

13

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

enzymwerte sollten aber ernst genommen werden. Der Verdacht einer Leberschädigung besteht solange, bis mehrere aufeinanderfol­gende Analysen der Serumenzyme das Gegenteil anzeigen (siehe hierzu auch Kapitel 2).

Anomalien können auch bei anderen Labortests auftreten. Ein mit der Problematik nicht vertrauter Arzt legt diese unter Umstän­den falsch aus. So kann z.B. die Konzentration des proteingebun­denen Jods, des thyroxinbindendena Globulins und des Thyroxins (T4) im Serum verringert sein; während eine Erhöhung der Resin-Aufnahmeb von Trijodthyronin (T3) und T4 eintritt, bleiben die Konzentrationen an freiem Thyroidhormon unverändert, und es existiert kein klinischer Befund einer Schilddrüsenfehlfunktion. Testosteron kann auch eine Verringerung von Kreatinin und Krea­tiv sowie eine erhöhte Ausscheidung von 17-Ketosteroiden bewir­ken. Anabole Steroide verursachen (genau wie orale Kontrazeptiva) also nicht primär Diabetes, Hypothyreosec oder Blutungen, auch wenn die Werte der Labortests vom Normalen abweichen.

Es ist daher sehr wichtig, daß der behandelnde Arzt Kenntnis von der Verwendung anaboler Steroide durch den Athleten hat. In Fällen, in denen Zweifel über die Bedeutung abnormer Testergeb­nisse bestehen, sollten die Tests einige Monate nach Absetzen der anabolen Steroide wiederholt werden.

a    Thyroxin— Schilddrüsenhormon

b    Resin-Aufnahme — ein Standard-Labortest zur Bestimmung der T3- und T4-Spiegel

c     Hypothyreose — Schilddrüsenunterfunktion

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KAPITEL II

FI?HLFUSKT[OSF.S

DER LEBER

Fehlfunktionen der Leber sind eine verbreitete Nebenwirkung ana-boler Steroide (besonders bei oral verabreichten alpha-17-alkylier-ten Sexualhormonen)‘334 und führen zur Erhöhung der Werte (besonders der Lebertransaminasen) in einigen Leberfunktions-tests. Die Liste möglicher Leberfunktionsstörungen reicht von Natrium-Sulphobromophthalein-Retention bis hin zur Gelbsucht; erhöhte Leberwerte dürfen daher nicht ignoriert werden, da sie Anzeichen fir eine fortschreitende Leberschädigung sein können.

Für gewöhnlich klingen die Fehlfunktionen der Leber wieder ab, und erhöhte Werte in Leberfunktionstests gehen selbst bei andau­erndem Gebrauch anaboler Steroide innerhalb weniger Wochen auf normale Werte zurück. Sogar bei längerfristiger Nutzung scheint es bei geringen bis mittleren Dosierungen kein signifikantes Risiko einer Leberschädigung zu geben.15 In den Fällen, wo Fehlfunktio­nen zurückbleiben (häufiger bei hohen Dosierungen und längerer

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Einnahme von alpha-17-alkylierten anabolen Steroiden), ist dies vermutlich die Folge einer Cholestase,a bei der sich Gallensaft in den Leberzellen ansammelt und degenerative Veränderungen in Leberzytoplasmab und Zellmembranen` stattfinden. Es wurde bereits nachgewiesen, daß eine Cholestase zu histologischen Verän-derungend der Leber führen kann.16,17

Obwohl die Pathogenesee der intrahepatischenf Cholestase mitt­lerweile Gegenstand umfangreicher Untersuchungen ist, sind noch keine befriedigenden Erklärungen verfligbar. Es wird angenommen, daß eine längerfristige Erhöhung der Leberenzyme eine fortschrei­tende Schädigung der Leber anzeigt, die möglicherweise zur Leber­zirrhose führen kann.‘$

Studien der vergangenen 15 Jahre deuten darauf hin, daß ein pathogener Zusammenhang zwischen Cholestase, Peliosis hepatis, diffusers Hepatitis und Lebertumoren besteht. Zum komplexen Pro­zeß der Krebsentstehung in der Leber können viele Faktoren beitra­gen, doch die meisten Leberkarzinomeh beim Menschen entstehen durch eine Zirrhose.19 Es ist daher möglich, daß die Entstehung von Lebertumoren durch Sexualhormone einem ähnlichen Mechanis­mus folgt.

a   Cholestase — Abflußstörung der Gallenflüssigkeit

b   Zytoplasma — Zellplasma

c   Zellmembran — durchlässige Hülle der Zellen

d   histologische Veränderungen — Veränderungen in Feinbau und Funktion

e   Pathogenese — Krankheitsentstehung und -entwicklung

f    intrahepatisch — in der Leber

g   diffus — nicht klar abgegrenzt

h   Karzinom — bösartige Geschwulst

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER

In der Literatur werden die meisten Fälle von Leberkrebs, benig-nena Leberzelltumoren und Peliosis hepatis Patienten mit Fanconi-Anämieb oder anderen Formen aplastischet Anämien zugeschrie­ben. Diese Patienten erhielten zumeist über einen langen Zeitraum hinweg alpha-17-alkylierte Androgene, besonders Oxymetholon (Adroyd, Anadrol, Anapolon) und Methyltestosteron.2a36 Eine Stu­die dokumentiert die Behandlung eines Patienten mit Fanconi-Anämie, bei dem sich nach 50-monatiger Therapie mit anabolen Steroiden ein Hepatom entwickelte.37 Diese Anämien begünstigen ohnehin Funktionsstörungen und Krebserkrankungen der Leber, daher ist schwer festzustellen, welchen Anteil anabole Steroide daran hatten.

Zum Beispiel zeigte eine retrospektiv epidemologische Studied der Todesfälle durch hepatische Angiosarkomee in den USA,38 daß zwischen 1964 und 1974 insgesamt 168 solcher Fälle auftraten, von denen 37 auf zuvor bekannte Ursachen zurückzuführen waren und nur bei vier Fällen auf einen Zusammenhang mit dem therapeuti­schen Langzeitgebrauch androgen-anaboler Steroide geschlossen werden konnte. Und obwohl die Verfasser dieser Studie bei jenen vier Fällen anabol-androgene Steroide als mögliche Auslöser fir hepatische Angiosarkome aufführten, ist diese Wertung doch eher zweifelhaft. Es gibt allerdings neuere Berichte über ansonsten

a   benigne — gutartig

b Anämie — Blutarmut

c   aplastisch — angeboren

d   retrospektiv epidemologische Studie — eine rückblickende Untersuchung der Krankheitsgeschichte, die eine statistisch signifikante Zahl von Personen umfaßt

e   hepatisches Angiosarkom — von den Blutgefäßen ausgehende Geschwulst der Leber

17

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

gesunde Athleten mit Lebertumoren, die direkt dem Gebrauch alpha-17-alkylierter anaboler Steroide zugesprochen werden. Bei zuvor symptomfreien Sportlern wurden zwei Fälle von hepatischer Malignitäta sowie ein Fall von hepatozellulärem Adenom festge­stellt, mit jeweils tödlichem Ausgang.

Die erste Fallstudie beschreibt eine primäre hepatische Malig-nität bei einem 26-jährigen Bodybuilder, der über vier Jahre anabole Steroide verwendet hatte.39 Im zweiten Fall nahm der Athlet fünf Jahre lang hauptsächlich Oxymetholon ein;40 der Dritte beschreibt den Durchbruch eines hepatozellulären Adenoms mit Todesfolge bei einem Bodybuilder, der über einen Zeitraum von drei Jahren anabole Steroide eingenommen hatte.41 In allen drei Fällen wird an­genommen, daß der Lebertumor nur in zweiter Linie durch die aus­gedehnte Zufuhr exogener anaboler Steroide entstand. Die Bewer­tungen der Wissenschaftler stimmen aber darin überein, daß die langfristige Zufuhr anaboler Steroide jeweils ein wichtiger begünsti­gender Faktor bei der Entwicklung des Lebertumors war und so Schwere und Verlauf der Erkrankung negativ beeinflußt hat.

Während überwiegend alpha- 17-alkylierte androgen-anabole Ste­roide mit Leberkrebs bei Männern assoziiertb werden, liegt die Ver­mutung nahe, daß nicht-alpha-17-alkylierte Steroidmoleküle eben­falls zur Bildung von malignen und nichtmalignen Lebertumoren beitragen können. So ist bekannt, daß ein 32-jähriger Mann mit einem Nierentransplantat multiple` hepatische Adenome nach

a    Malignität — Bösartigkeit (einer Geschwulst)

b    assoziieren — in Verbindung bringen

c     multipel — vielfaltig, zahlreich

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER

einer Langzeittherapie mit Testosteronenanthat entwickelte.42 Ob­wohl anabole Steroide nur selten Leberprobleme auslösen, geben diese Fallbeispiele Anlaß zu ernsten Bedenken.

Untersuchungen über das Verhältnis zwischen dem Auftreten von Lebertumoren und Androgenen weisen auf die Möglichkeit hin, daß eine erhöhte androgene Sensitivitäta und die Ausbildung androgener Rezeptoren,b die in Fällen experimenteller Leberkrebs-entwicklung zu beobachten ist, zur Bildung hepatozellulärer Karzi­nome beitragen.43 Neuere Studien am Menschen lassen überdies plausibel erscheinen, daß Testosteron Wachstum und Ausbreitung hepatozellulärer Karzinome über die Androgen-Rezeptoren des Tu­mors steigert.44 Der lebertumorogene Effekt von Sexualhormonen, d.h. Lebertumore bei Männern und Frauen als Folge des Gebrau­ches anaboler Steroide und oraler Kontrazeptiva (hepatozelluläre Karzinome und Adenome werden mit der Verwendung beider Sub­stanzklassen in Zusammenhang gebracht) ist weithin bekannt.45-51

Längerfristig angelegte Studien zur Karzinogenese` weisen darauf hin, daß Sexualhormone Lebertumore auslösen können,52 obwohl das Auftreten von Lebertumoren extrem selten ist. Wäh­rend ihre tumorbegünstigende Aktivität also allgemein anerkannt ist, gibt es auch neue Hinweise darauf, daß einige Sexualhormone

a   Sensitivität – Empfmdsamkeit

b   Rezeptor – Teil einer Zelle, an den Verbindungen ankoppeln und so ihre Wirkungen entfalten. Rezeptoren sind nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip jeweils spezifisch für eine bestimmte Verbindung oder Gruppe von Verbindungen, so können z.B. Androgenmoleküle (als Schlüssel) nur an Androgenrezeptoren (als Schloß) ihre Wirkungen entfalten

c   Karzinogenese – Krebsentstehung

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

zusätzlich über tumorauslösendes Potential verfügen. Allerdings ist der Mechanismus der Lebertumore erzeugenden Verbindungen noch weithin ungeklärt. Eine Einschätzung des Risikos ist daher fast unmöglich, doch es bleibt festzuhalten, daß Sexualhormone wichti­ge begünstigende Faktoren für das Auftreten von Lebertumoren bei Menschen darstellen.

Wie bereits erwähnt, tragen viele Faktoren zum komplexen Pro­zeß der Entstehung von Leberkrebs bei.53 Allen Maßnahmen und Medikationen, die leberschützendes Potential aufweisen oder eine Leberschädigung vorzeitig erkennen lassen, muß daher größte Auf­merksamkeit gewidmet werden. Da alle alpha- 17-alkylierten Andro-gene die Leber mehr oder weniger stark beeinträchtigen und die meisten oralen Präparate zu dieser Gruppe von Steroiden zählen, sollten bei Athleten, die anabole Steroide einnehmen, generell Blut­tests durchgeführt werden.

Um das Risiko des Sportlers für Fehlfunktionen und Malignität der Leber zu reduzieren, müssen anhaltende Veränderungen bei Leberfunktionstests ernstgenommen und Gegenmaßnahmen einge­leitet werden. In diesen Fällen empfiehlt es sich, die anabolen Ste­roide entweder abzusetzen oder durch weniger leberschädigende Steroidverbindungen zu ersetzen. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, um die Hepatotoxizität,a die mit anabolen Steroiden einhergeht, zu verringern.

a     Hepatotoxizität — Giftwirkung für die Leber

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER
VERRINGERUNG DER TOXIZITÄT FÜR DIE LEBER

Mit richtiger Information und Beratung können viele der potentiell gefährlichen Nebenwirkungen anaboler Steroide abgeschwächt oder gar eliminiert werden. Da jedoch niemand sicher sagen kann, welche langfristigen Nebenwirkungen sich letztlich entwickeln, kön­nen unmöglich sämtliche Risiken ausgeschaltet werden.

Bei Auftreten einer ernsten Anomalie sollten anabole Steroide sofort abgesetzt werden. Nach dem Absetzen müssen weitere Untersuchungen des Blutbildes erfolgen, um zu kontrollieren, ob die Werte in den normalen Bereich zurückgehen. Nur in seltenen Fäl­len normalisieren sich die Leberwerte nach Absetzen der Steroide nicht wieder. Dann muß von der Möglichkeit einer bleibenden Leberschädigung ausgegangen werden, mit der Konsequenz, daß eine verstärkte Neigung zu Gynäkomastie und dem Auftreten ande­rer Androgen-Nebenwirkungen besteht, ebenso wie eine Prädisposi-tion fir die Entwicklung von Lebertumoren.

Hier könnten zwar Tests zur Entdeckung von Hepatomen durch­geführt werden, aber diese liefern keinen endgültigen Nachweis. Wie sich bereits herausgestellt hat, sind biochemische Leberfunkti-onstests und die Bestimmung des alpha-Fetoproteinsa im Serum nicht geeignet für den Nachweis von Hepatomen bei Patienten, die Androgene einnehmen.54 Da Leberkarzinome für gewöhnlich innerhalb von 3 bis 6 Monaten nach der Diagnose tödlich enden, wird in dieser Studie empfohlen, die Anwendung anaboler Steroide

a   alpha-Fetoprotein, AFP — Eiweißkörper, der bei primären Leberzellkarzinomen, Keimzell- und Magen- Darmtrakt-Tumoren erhöht im Serum vorliegt und als Tumormarkergilt.

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

auf solche Fälle zu beschränken, bei denen der mögliche Nutzen dieser Verbindungen ihre Nebenwirkungen überwiegt. Für Patien­ten, die anabole Steroide erhalten, wird darüber hinaus ein regelmä­ßiges Isotopen-Scanning der Leber empfohlen.

Alle Versuche, die Toxizität oraler anaboler Steroide durch Ver­änderung ihrer molekularen Struktur zu reduzieren, blieben ohne durchschlagenden Erfolg. Die Alkylierung in anderen Positionen (die Alkylgruppe wird an ein anderes Kohlenstoffatom angehängt) ergibt Verbindungen, die zwar oral aktiv und weniger hepatotoxisch sind, aber auch eine verringerte androgen-anabole Wirksamkeit auf­weisen. Allein Metenolon, ein oral wirksames anaboles Steroid ohne Alkylgruppe an der C-17 Position, dürfte die Leberfunktionen auch in höheren Dosen nur minimal beeinträchtigen.

PHARMAKOLOGISCHE HEPATOPROTEKTOREN

Eine pharmakologische Behandlung von Fehlfunktionen der Leber ist heute durch Präparate wie Propylthiouracil, Colchicin und Malo-tilat55 möglich.

Diese Verbindungen können zur Minderung der hepatotoxi-schen Wirkung anaboler Steroide verwendet werden, ebenso wie zur Prävention und Behandlung von Fibrosen oder Zirrhosen, die von einer Verabreichung anaboler Steroide herrühren. Bei verschie­denen klinischen Studien zur Wirksamkeit dieser Verbindungen wurde eine biochemische Verbesserung der Leberfunktionen festge­stellt, verbunden mit einer erhöhten Überlebensrate. Es ist jedoch fraglich, ob sie tatsächlich die Fortentwicklung eines Leberscha­dens verhindern können.

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER

Propylthiouracil und Colchicin

Propylthiouracil scheint einige positive Wirkungen zu haben, wahr­scheinlich aber eher wegen seiner Fähigkeit zur Bindung freier Radi­kaler als durch seine Eigenschaften als Thyreostatikum a Colchicin ist schon bei der Behandlung von Patienten mit Leberzirrhose erfolgreich angewandt worden. In einer Studie am Menschen56 führte die Gabe von Colchicin zu histologischen Verbesserungen der Zirrhose bei einem Drittel der untersuchten Patienten, was durch wiederholte Leberbiopsien“ nachgewiesen wurde.

Malotilat

Malotilat ist vielleicht das erfolgversprechendste Präparat zur Prä-ventionc und Behandlung von Entzündungen und Zirrhosen der Leber. Im Tierversuch wurde eine schützende antifibrotisched Wir­kung für Leber und Lunge ermittelt, was einen ähnlichen Effekt beim Menschen vermuten läßt. In einer Studie an Ratten erwies sich Malotilat als wirksamer Schutz gegen eine schwere Leberfibro-se als Folge anhaltender Verabreichung von Alkohol und Tetra-chlorkohlenstoff (CC14). D-Penicillamin und Colchicin dagegen versagten bei der Behandlung einer durch Chemikalien ausgelösten Fibrose, Nekrosee und Steatosef der Leber bei Nagetieren.57

a   Thyreostatika – Verbindungen, welche die Synthese von Schilddrüsenhormonen hemmen

b   Biopsie – Gewebeprobe

c   Prävention – Vorbeugung

d   antifibrotisch – einer Fibrose (Fasergeschwulst) entgegenwirkend

e   Nekrose – Absterben von Organen, Organteilen und Geweben

f    Steatose – Verfettung

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

In dieser Untersuchung wurde überdies dokumentiert, daß die tägli­che orale Einnahme von Malotilat die Entwicklung einer Leber­zirrhose ebenso sicher verhinderte wie die Anhäufung von Hydroxy-prolin in der Leber (eine Erhöhung des Hydroxyprolins weist in die­sem Fall auf eine krankhaft vermehrte Bindegewebsbildung in der Leber hin). Auch die normalerweise durch CC14-Alkohol ausgelö­ste Erhöhung der Enzymaktivität im Serum konnte durch Malotilat verhindert werden. Eine weitere Tierstudie58 kam zu dem Ergebnis, daß Malotilat nicht nur Entzündungen der Leber sehr effektiv unterbindet, es reduziert auch den Anstieg von Typ I Prokollagen-Alpha-2-Chain-mRNA und die Aktivität der Enzyme Prolyl-4-Hydroxylase und Galactosylhydroxylysyl-Glucosyltransferase; bei­des erste Anzeichen einer Leberfibrose, die der Ablagerung von Kollagen vorangehen.

Eine andere Studie neueren Datums59 belegt, daß Malotilat die Akkumulation° von Typ III pN-Kollagen und zweier Proteine der basalen Membran, Typ IV Kollagen und Laminin, in einer experi­mentellen Lungenfibrose verhindert.

Ohne Frage müssen diese entzündungshemmenden und antifi-brogenen Präparate eingehender untersucht werden, doch erscheint die Anwendung bei Patienten mit Lebererkrankungen ebenso vor­teilhaft wie ein prophylaktischerb Einsatz (Malotitat, Propylthioura-cil- und Colchicinpräparate siehe Anhang).

a    Akkumulation – Ansammlung

b    prophylaktisch – vorbeugend, verhütend

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER
NATÜRLICHE HEPATOPROTEKTOREN

Neben den zuvor erwähnten Präparaten kann die Hepatotoxizität anaboler Steroide durch natürliche Hepatoprotektoren, d.h. in der Natur vorkommende, leberschützende Substanzen vermindert wer­den. Dazu zählen Verbindungen wie Glutathion, einige Vitamine und Mineralstoffe, sowie bestimmte pflanzliche Substanzen.

Glutathion

Glutathion übernimmt in einigen Stoffwechselprozessen spezielle Rollen. Diese Verbindung findet sich vorwiegend innerhalb der Zel­len; über den Transport in und aus der Zelle ist nur wenig bekannt. Blutplasma und die Flüssigkeit außerhalb der Zellen enthalten wenig oder kein Glutathion. Es wird in Leber und Darmgewebe syn­thetisiert und schützt die Leber, indem es sich an toxische Metaboli-tena (sowohl natürlich vorkommende als auch bei Reaktionen ent­stehende) bindet. In meiner Praxis habe ich herausgefunden, daß Glutathion sich gut eignet zur Behandlung von Fehlfunktionen der Leber, die auf chronische oder akute Hepatitis sowie den Langzeit­gebrauch anaboler Steroide zurückzuführen sind (Glutathion siehe Anhang).

Vitamin E und Selen

Vitamin E und Selenpräparate scheinen ebenfalls leberschützende Wirkungen zu entfalten und werden bereits von einigen Sportlern eingesetzt. In einer an Ratten durchgeführten Untersuchung ver‑

a    Metabolit — Stoffwechselprodukt

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

minderte die separate Gabe von Vitamin E, Natrium-Selenit und Astragalus L.-Infusionen die lebertoxischen Effekte von Tetracyclin. Die Kombination von Vitamin E und Natriumselenit oder Astraga-lus L. unterband die toxischen Wirkungen des Antibiotikums sogar völlig60 (Einzel- und Kombinationspräparate siehe Anhang).

Evening Primrose Öl

Manche Steroid-Benutzer verwenden Evening Primrose Öl, um sich vor Leberschäden zu schützen. Dieses Öl könnte hepatoprotektive Eigenschaften aufweisen, sowohl im Hinblick auf Alkohol und Medikamente als auch auf orale anabole Steroide (besonders alpha-17-alkylierte). Evening Primrose Öl enthält gamma-Linolensäure, einen Vorläufer der Dihomo-gamma-Linolensäure, die bei der Ver-stoffwechselung von Alkohol und einigen Medikamenten ver­braucht und für den Arachidonsäurezyklus benötigt wird. Weitere bedeutsame Quellen von Gamma-Linolensäure sind Muttermilch und Borretschsamenöl (Linolensäure siehe Anhang).

Andere pflanzliche Hepatoprotektoren

Neuere Studien demonstrieren die Schutzwirkung von drei weiteren Pflanzenextrakten gegen CC14 in der Rattenleber: Solanum inca-num (ganze Pflanze), Ixeris chinensis (ganze Pflanze) und Gar­denia jasminoides (Frucht, wild und kultiviert).61 Eine andere Un­tersuchung zeigt den leberschützenden Effekt eines Alkoholextrakts aus Wedelia calendulacea (ganze Pflanze) gegen CC14 bei lebenden Ratten. Dieser Extrakt erhöht zudem den Gallenfluß bei Ratten, so daß eine Stimulierung der Lebersekretion angenommen werden

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER

kann.62 Auch bei anderen pflanzlichen Verbindungen wurden signi­fikante leberschützende Eigenschaften gefunden.6364 Neben der häufig verwendeten Methode zur Bestimmung des leberschützen­den Potentials durch Hemmung der Giftwirkung von Tetrachlor-kohlenstoff wurden auch schon andere Untersuchungsmethoden vorgeschlagen.65’66

Unter Verwendung dieser neuen Testmethoden haben weitere pflanzliche Substanzen ebenfalls signifikante antihepatotoxische Aktivität gezeigt. Bei Anwendung des Galactosamin-induzierten Zytotoxizitätstestsa wurde eine leberschützende Wirkung bei folgen­den Verbindungen festgestellt: Cynarin, Desoxypodophyllotoxin, Glycyrrhetinsäure, Glycyrrhizin, Picrosid II und Silbyn;67 Osbekia octandra und Melothria maderaspantana;68 den Formosapflanzen Wedelia chinense, Mallotus repandus, Phyllantus urinaria, Loran-thus parasiticus, Ludwigia octovalvus, Onychium iaponicum, Tama­rix chinensis und Ampeiopsis brevipedunculata,69 sowie verschie­denen Flavonoiden.70 Auch bei weiteren natürlichen Substanzen wurden hepatoprotektive Wirkungen gefunden,71 sowie eine effi­zientere Leberfunktion72 und hemmende Effekte auf die Aktivität verschiedener Karzinogene.73

Es gibt bestimmt noch mehr pflanzliche Verbindungen, die leberschützende Eigenschaften aufweisen. Nicht viele bekannte Arzneipflanzen sind bisher daraufhin untersucht worden, und die einschlägige Literatur stützt sich oft mehr auf Erfahrungsberichte als auf wissenschaftliche Fakten. Für alle hier aufgeführten pflanzli‑

a   Zytotoxizität — Giftigkeit für die Zelle

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

chen Substanzen gilt überdies, daß ihre leberschützenden Eigen­schaften bislang nur für durch Tetrachlorkohlenstoff ausgelöste Leberschädigungen nachgewiesen wurden, in einigen Fällen auch für D-Galactosamin und weitere hepatotoxische Substanzen.

Die leberschützende Wirkung dieser pflanzlichen Verbindungen in Bezug auf anabole Steroide ist noch nicht untersucht worden. Da die lebertoxischen Wirkungen anaboler Steroide sich aber von denen unterscheiden, die durch Tetrachlorkohlenstoff und ähnliche hepatotoxische Stoffe hervorgerufen werden, kann man nicht mit Sicherheit sagen, ob die hier angeführten pflanzlichen Substanzen auch wirksame Hepatoprotektoren gegen die durch anabole Steroi­de ausgelösten Fehlfunktionen der Leber darstellen, bzw., ob sie letztlich vor Lebertumoren schützen.

LEBERENZYME ALS VORZEICHEN
FÜR FEHLFUNKTIONEN
DER LEBER

Erhöhte Spiegel einiger Serumenzyme (meistens die Serumtrans-aminasen und -aminotransferasen) werden häufig dem Gebrauch von Sexualhormonen, besonders oralen Kontrazeptiva und anabo-len Steroiden zugeschrieben. Der Anstieg kann aber auch infolge anderer Faktoren entstehen und muß daher mit Vorsicht interpre­tiert werden. Erhöhte Leberenzymwerte im Serum können ebenso durch Alkohol, Rauchen, anstrengendes Training, enzyminduzie­renden Medikamente, Nahrungsbestandteile, Stoffwechselstörun-gen und Alterserscheinungen hervorgerufen werden. Erhöhte

a enzyminduzierend — die Produktion von Enzymen steigernd

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FEHLFUNKTIONEN DER LEBER

Serumspiegel von Aspartat-Aminotransferase (AST) und Alanin-Aminotransferase (ALT) zeigen normalerweise bei einem Athleten, der anabole Steroide einnimmt, keine Leberschädigung an.

Die Bestimmung einzelner Enzymwerte reicht fir ein normales Screening aus, doch zur präzisen Ermittlung möglicher Fehlfunktio­nen sollten Testkombinationen (das Verhältnis von AST/ALT und GGT/alkalische Phosphatase) sowie die Bestimmung anderer Enzyme eingesetzt werden. Um Ausmaß und Fortschreiten einer Leberfehlfunktion exakt festzustellen, ist eine Reihe von Transami­nase-Untersuchungen nötig, eventuell auch eine parallele Ermitt­lung anderer Kenngrößen wie Serumbilirubin, Serumalbumin und die Prothrombinzeit (nach Gabe von Vitamin K).

Die Bestimmung der Serum-gamma-Glutamyl-Transpeptidase (GGT)74 ist zum Nachweis einer Leberschädigung nicht besonders geeignet. GGT katalysiert den Transfer von gamma-Glutamylresten zu Aminosäuren und Peptiden und ist wesentlich an Metabolismus und Synthese von Glutathion durch den gamma-Glutamyl-Zyklus beteiligt. Abweichende Werte dieses Enzyms werden weithin als Indikator fir eine Leberschädigung angesehen. Ein erhöhter Spie­gel kann allerdings auch ohne eine Lebererkrankung auftreten (etwa bei einer Phenytointherapie).

Die Bestimmung der Serumaktivität anderer Enzyme wie Ornithin-Carbamyl-Transferase, Lactatdehydrogenase, Isocitratde-hydrogenase, Sorbitdehydrogenase, Alkoholdehydrogeriase, Gua-nase, Aldolase, alkalische Phosphatase oder Glutathion-S-Trans-ferase könnte ebenfalls nützlich sein, obwohl die Ergebnisse eine durch konventionelle Tests festgestellte Fehlfunktion der Leber kaum weiter eingrenzen.75 Für ernste Lebererkrankungen oder jene

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Fälle, die mehr diagnostische Informationen erfordern, existieren noch weitere Tests: Echographie,a Radionukleid- und Computerto­mographie (CT), Angiographieb und endoskopische Cholangiogra-phie.c Diese Verfahren sollten allerdings schwerwiegenden klini­schen Fällen und solchen vorbehalten bleiben, wo vorangegangene Untersuchungen keine schlüssige Diagnose erlauben.

a Echographie — Ultraschall-Diagnostik

b   Angiographie — Röntgenverfahren zur Gefäßdarstellung

c   Cholangiographie — Darstellung der Gallengänge

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KAPITEL III

HORSIOSBEDISG7’F.

NEBENWIRKUNGEN

Im allgemeinen haben schwach androgene und nicht alpha-17-alky-lierte injizierbare anabole Steroide die wenigsten Nebenwirkungen. Ebenso führt ein intermittierender Gebrauchs (mit medikamenten­freien Intervallen ebenso lang oder länger als die Zufuhr anaboler Steroide) bei geringer bis mittlerer Dosis (vielleicht bis zu einer Höhe des vier- bis fünffachen therapeutischen Maximums)b zu weniger und leichter reversiblen Nebenwirkungen als ein langfristi­ger Einsatz hoher Dosierungen. Einige anabole Steroide wie z.B. Dihydrotestosteron und Dihydrotestosteronderivate hemmen den hormonellen Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Hoden nicht so stark wie andere;76 bei ausreichend hohen Dosie‑

a    intermittierender Gebrauch — Anwendung mit Pausen zwischen den jeweiligen Verabreichungen

b    therapeutisches Maximum — empfohlene Höchstdosierung, meistens auf dem Beipackzettel eines Medikaments angegeben

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

rungen allerdings hemmen alle anabolen Steroide diesen Regel­kreis. Die Einnahme anaboler Steroide führt generell zu folgenden Symptomen:

  • Änderungen der endogenena Produktion von Sexualhormonen, die unterschiedliche Grade der Maskulinisierung oder Femini-sierung auslöst;
  • umfassende Natriumretention, die bei Personen mit unter­schwelligen Erkrankungen von Herz oder Nieren, sowie bei Einnahme großer Mengen über einen längeren Zeitraum zu Ödemenb führen kann;
  • Störungen im Elektrolythaushalt ziehen Muskelspasmen nach

sich, besonders wenn zusätzlich Diuretika oder andere Metho‑

den für einen schnellen Gewichtsverlust eingesetzt werden. Verschiedene Studien haben die hormonbedingten Auswirkungen mittlerer bis hoher Dosen anaboler Steroide, sowohl bei Männern, als auch bei Frauen dokumentiert.77-85 Auf mögliche Hormonwir­kung zurückzuführende Nebenwirkungen bei Männern sind:

  • Gynäkomastie
  • Azoospermie`
  • Flüssigkeitsretention
  • Akne
  • Veränderungen der Libido, Priapismusd
  • gesteigerte Aggressivität

a   endogen – körpereigen

b   Ödem — Anschwellen der Gewebe durch Flüssigkeitsretention

c   Azoospermie — Fehlen der Samenzellen in der Samenflüssigkeit

d   Priapismus — schmerzhafte Dauererektion des Penis ohne sexuelle Erregung, entsteht durch Blutgerinnung in den Gefäßen

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

Bei Frauen sind virilisierende Nebenwirkungen möglich. Einige die­ser Effekte, etwa eine Vertiefung der Stimme, Hirsutismus, die Aus­prägung einer Kahlköpfigkeit nach männlichem Schema und eine Vergrößerung der Klitoris können zum Teil durch den Gebrauch von Androgen-Antagonisten wie Cyproteronacetat behandelt wer­den. In Europa ist für Frauen, die neben einer Empfängnisverhü­tung auch die Behandlung von Hirsutismus und/oder Akne benöti­gen ein orales Kontrazeptivum erhältlich, das ein Östrogen mit Cyproteronacetat (als Progestinkomponente) kombiniert.

Bei Männern führt die Verwendung von Testosteron und anabo-len Steroiden stets zu ähnlichen Veränderungen des endogenen Hormonprofils, lediglich die Höhe des Serumtestosteronspiegels ist individuell verschieden. Liegt die Dosierung exogenen Testosterons höher als der physiologische Normalwert, führt dies zu einem erhöhten Serumtestosteronspiegel, obwohl die Funktion der Hoden gehemmt und die endogene Testosteronproduktion damit verrin­gert wird. Bei Verabreichung anaboler Steroide wird die körpereige­ne Testosteronproduktion ebenfalls verringert, und das Blutserum weist einen mittleren bis hohen Gehalt des jeweils verwendeten ana-bolen Steroids auf (abhängig von der zugeführten Menge).

Sowohl Testosteron als auch die anabolen Steroide setzen den Serumspiegel des lutenisierenden Hormons (LH) und den des folli-kelstimulierenden Hormons (FSH) durch Hemmung der Aktivität von Hypophyse und Hypothalamus herab. Dies führt zu einem Rückgang der endogenen Testosteronsynthese und zur Hodenatro-phie. Das Ausmaß der Testosteronunterproduktion und der Hoden-atrophie ist abhängig von der Dosierung der verwendeten anabolen Steroide und der Zeitdauer ihrer Einnahme. Die Zufuhr anaboler

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Steroide fiihrt gleichzeitig zu einer Erhöhung des Serumöstrogen-spiegels. Dabei hängt der Grad des Anstiegs wiederum vom verwen­deten anabolen Steroid ab. Das Serum-ACTH kann reduziert wer­den, obwohl der Cortisonspiegel für gewöhnlich unverändert bleibt; wahrscheinlich erfolgt dies aufgrund der cortisonähnlichen Wir­kung einiger anaboler Steroide.86 Bei Gebrauch anaboler Steroide ist darüber hinaus ein signifikanter Rückgang der Serumkonzentra­tionen von thyroidstimulierendem Hormon, Thyroxin, Trijodthyro-nin, freiem Thyroxin und des Thyroidhormon-bindenden Globulins (TBG) zu verzeichnen, wogegen sich bei der Trijodthyroninaufnah-me höhere Werte ergeben.

Der Autor einer Studie kam daher zu dem Schluß, daß Androge-ne die Biosynthese von TBG steigern.87 Diese und zwei weitere Untersuchungen8889 des gleichen Autors ergaben zudem, daß nach Absetzen der anabolen Steroide alle hormonellen Parameter auf den Normalwert zurückgehen. Eine Ausnahme bildete der Serum-testosteronspiegel (in einer Studie auch das Serumthyroxin), der als Folge von Hodenatrophie und gehemmter Hypothalamus-Hypo­physe-Hoden-Achse (s.u.) für längere Zeit erniedrigt blieb.

HEMMUNG DER

HYPOTHALAMUS-HYPOPHYSE-HODEN-ACHSE

Wenn wir auch vereinzelte Fälle von Nieren- und Lebertumoren weniger schwer bewerten und über die realen Langzeitschäden des Gebrauchs anaboler Steroide für die Leber oder das kardiovaskulä­re System noch weitgehend im Ungewissen sind, so darf doch die Hemmung der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse als einzige bislang nachgewiesene, schwere Nebenwirkung nicht ignoriert wer‑

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

den. In mehreren Untersuchungen wurde bestätigt, daß der Serum-testosteronspiegel nach langfristigem Gebrauch hoher Dosen von Testosteron und/oder anabolen Steroiden für längere Zeit auf nie­drigem Niveau bleibt.90

Die Verwendung exogener anabol-androgener Steroide führt zu Störungen des normalen Hormonprofils im Körper, mit verringer­ten Konzentrationen des Serumhormon-bindenden Globulins (SHBG), des lutenisierenden Hormons (LH), der Testosteronvor-stufen und des Testosterons. Dieses Bild ergibt sich, wenn anabole Steroide, aber kein exogenes Testosteron, zugeführt werden (ver­wenden Athleten exogenes Testosteron, ist das Verhältnis von Testosteron zu seinen Vorstufen für die Dauer der Zufuhr erhöht).91 Folglich benötigen jene Athleten, die hohe Dosen anaboler Steroi­de über einen längeren Zeitraum eingesetzt haben, eine langfristige Testosteron-Ersatzstofftherapie.

Synthese, Sekretiona und Verstoffwechselung von Testosteron im Körper erfolgen in einem komplexen Prozeß mit vielen Rück-kopplungs- und Kontrollmechanismen. Die Sexualhormone werden von Hypothalamus, Hypophyse und Gonadenb kontrolliert. Beim Mann erfolgt die Regulation der Testosteronsekretion durch die Hy­pothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse, wobei Einflüsse außerhalb des Hypothalamus sich auf alle drei Ebenen dieser Achse auswir-ken.92 Die Wechselbeziehung zwischen den verschiedenen Hormo­nen und Releasingfaktorenc wie GnRH, LH, FSH, Inhibin (s.u.) und

a    Sekretion Ausschüttung

b    Gonaden – Keimdrüsen

c     Releasingfaktor – Freigabefaktor, bewirkt die Freisetzung von Hormonen

35

NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

der endogenen Opioidea führt zu Veränderungen des Serumte-stosteronspiegels. So reguliert z.B. das Dekapeptidb GnRH die Syn­these und Sekretion von LH und FSH über die gonadotropen Zellen der Hypophyse.

Je nach physiologischer Situation ändert sich auch die Sekretion von GnRH, was wiederum zu unterschiedlichen LH- und FSH-Frei-setzungen führt.93 Im Gegenzug scheint Testosteron die hypophysä-re Sekretion von LH und FSH,94’95 die Reaktion von LH und FSH auf GnRH und die Häufigkeit der pulsatilen Ausschüttung von GnRH direkt zu beeinflussen. Darüber hinaus wird vermutet, daß Östrogene, die bei der Aromatisierung von Testosteron und anabo-len Steroiden im Hypothalamus sowie in Teilen des Gehirns entste­hen, die LH-Sekretion hemmen und die Testosteronproduktion ver­mindern.

Auch andere Hormone und Verbindungen, wie Östrogene, Inhi-bin und endogene Opioide sind in die Steuerung der Testosteronse-kretion einbezogen. So reguliert Inhibin, ein in den Sertolizellen der Hoden gebildetes Hormon, in Reaktion auf FSH die Produktion von Androgenen durch wiederum andere Zellen der Hoden (die Leydig’schen Zellen); das beta-Endorphin, von den Leydig’schen Zellen unter der Kontrolle von LH synthetisiert, reguliert die Serto-li-Funktionen und beeinflußt damit die Inhibinproduktion.96 Eine

a    endogene Opioide — opiatähnliche Substanzen, die im Körper produziert werden, z.B. Endorphine

b    Dekapeptid — ein Peptid aus zehn Aminosäureresten

c     pulsatile Auschüttung — eine schubartige Freisetzung; GnRH z.B. wird alle 2-4 Std. vom Hypothalamus ausgeschüttet, nachts und bei Tagesanbruch wird die größte Menge freigesetzt

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

neuere Studie liefert den Beweis für einen direkten Effekt von Nalo-xon, einem Opiatantagonisten, auf die Steroidproduktion in den Hoden der Ratte.97 Demnach beeinflussen die endogenen Opiate nicht nur die Freisetzung von GnRH und LH, sondern auch die Steroidproduktion in den Hoden.

Der Gebrauch exogener Hormone unterbricht das Regelsystem der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse, wobei das Ausmaß der Störung von verschiedenen Faktoren, einschließlich des ver­wendeten Typs anaboler Steroide, der Dosis, der Behandlungsdauer und des Bestehens latenter Krankheiten abhängt.

Alle männlichen Athleten, die anabole Steroide verwenden, erleiden eine Fehlfunktion der Hoden, die zu verringertem Serum-testosteronspiegel, Hodenatrophie, Azoospermie und manchmal sogar zur Feminisierung (einschließlich Gynäkomastie, s.u.) führt. Nach dem Absetzen der anabolen Steroide folgt eine Phase, in der Sich das Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System langsam wieder einregelt. In den meisten Fällen gehen die Serumhormonspiegel schon bald wieder auf den Normalwert zurück.

Werden jedoch hohe Dosen anaboler Steroide über ausgedehnte Zeitabschnitte verabreicht, kommt es oft zu einer verlängerten Be­einträchtigung der endokrinen Funktiona der Hoden. Dies ist eine Auswirkung der Unterfunktion von Hypothalamus und Hypophyse, und in vielen Fällen auch eine Folge der primären“ Unterfunktion der Hoden. Bei den von mir betreuten Athleten konnte ich feststel­len, daß eine langfristige Verminderung der Steroidproduktion in

a    endokrine Funktion – Drüsenfunktion

b    primär — an erster Stelle, in erster Linie

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

den Hoden nicht nur aufgrund der Unterfunktion von Hypothala­mus und Hypophyse entsteht, sondern auch durch eine direkte Beeinträchtigung der Hoden, die vielleicht nicht so wiederherstell­bar ist, wie bislang angenommen wurde. Es scheint vielmehr so, als ob Testosteron und anabole Steroide direkte Auswirkungen auf alle Komponenten des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems aus­üben, eventuell sogar auf Mechanismen, die dem Hypothalamus übergeordnet sind.

MINIMIERUNG DER AUSWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE
AUF DAS
HYPOTHALAMUS-HYPOPHYSE-HODEN-SYSTEM

Verschiedene Maßnahmen können ergriffen werden, um die Aus­wirkungen anaboler Steroide auf das Regelsystem der Hypothala­mus-Hypophyse-Hoden-Achse zu verringern. Die vielleicht wichtig­ste Vorsorge ist die, eine ausreichende Zeit ohne anabole Steroide zu verweilen, so daß sich das endokrine System des Körpers wieder normalisieren und jegliche Atrophie der Hoden zurückgebildet wer­den kann. Diese Unterbrechung sollte zumindest so lang sein, wie die Zeitspanne, in der anabole Steroide zugeführt wurden.

Ein Zyklus von 12 Wochen mit und 12 Wochen ohne Steroide würde einige typische Folgeerscheinungen des Steroidgebrauchs auf das Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System verhindern. Generell läßt sich sagen, daß die verminderte Funktion des körpereigenen Hormonsystems umso kürzer anhält, je länger die Pausen zwischen den Steroidkuren währen. Zudem sollte der Athlet stets nur niedri­ge bis mittlere Dosen solcher anabolen Steroide einsetzen, die eine geringe Hemmwirkung auf die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse haben. Allerdings führt jedes anabole Steroid, selbst bei nied‑

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

rigen bis moderaten Dosierungen, zu einer gewissen Störung dieses Systems; hohe Dosierungen haben dementsprechend eine starke Hemmwirkung. Noch eine Bemerkung zu hohen Dosierungen: Menge und Schwere der Nebenwirkungen steigen mit der Dosis, gleichzeitig nehmen aber Rezeptoraffinitäta und -dichte ab, so daß ab einer bestimmten Schwelle keine weitere Steigerung der anabo-len Effekte eintritt.

Da die körpereigene Testosteronproduktion auf verschiedenen Ebenen gestört wird, muß die Minimierung der Steroidnebenwir­kungen auch all diese Ebenen einbeziehen. Besonderes Augenmerk muß dem Einfluß anaboler Steroide auf die Neubildung von Sexual­hormonen in den Hoden, die hypophysären Gonadotropine (LH und FSH) und das GnRH des Hypothalamus gelten.

Choriongonadotropin

Sportler verwenden extrahypophysäresb Gonadotropin (menschli­ches Choriongonadotropin, hCG), um während des Gebrauchs anaboler Steroide einer Hodenatrophie vorzubeugen und die endo­gene Produktion von Testosteron zu steigern (diese Wirkung von hCG ist bekannt und hinreichend dokumentiert).98,99 Werden hCG und anabole Steroide aber gleichzeitig eingesetzt, kann dies nicht zu einem Erhalt der vollen Hodenfunktion führen, da anabole Steroide die Wirkung des hCG auf die Hoden vermindern.loo Unter Sport­lern ist der Gebrauch von hCG zur Behandlung negativer Folgen

a    Affinität — Neigung, hier: Bindungswilligkeit

b    extrahypophysär — von außerhalb der Hypophyse stammend

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

des Steroidgebrauchs weit verbreitet. Diese Athleten hoffen, durch hCG ihre Hoden zu verstärkter Testosteronproduktion anzuregen und damit schneller wieder normale Hormonwerte zu erreichen. Diese Annahme ist falsch: die Verwendung von hCG kann das Pro­blem sogar noch komplizieren. Zur Vermeidung primärer Hoden-fehlfunktionen, und der daraus resultierenden unterdurchschnittli­chen Testosteronproduktion nach dem Absetzen anaboler Steroide, kann hCG aber durchaus von Nutzen sein.

Der längere Gebrauch anaboler Steroide scheint allerdings dahin zu führen, daß das Hodengewebe seine Fähigkeit zur Produk­tion normaler Testosteronmengen nicht wiedererlangt. In solchen Fällen erlangen die Hoden ihre volle Größe und Funktion selbst dann nicht zurück, wenn sie durch supraphysiologische Levela von LH und hCG stimuliert werden. Eine intermittierende Verwendung von hCG bei gleichzeitiger Anwendung anaboler Steroide könnte diese Fehlfunktion der Hoden vielleicht verhindern.

Gonadotropin Releasing Hormon

Manche Athleten versuchen, durch exogenes Gonadotropin Relea­sing Hormon (GnRH) die Hemmung der Hypothalamus-Hypophy­se-Hoden-Achse zu verhindern. Allerdings wird die Wirkung von GnRH bei gleichzeitiger Einnahme anaboler Steroide abge-schwächt.101 Es scheint so, als ob anabole Steroide und Testosteron (und/oder ihre Metaboliten) nicht nur direkt und unabhängig von GnRH die Ausschüttung von LH und FSH hemmen, sondern auch

a     supraphysiologische Level — physiologische (normale) Werte übersteigende Mengen

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

den Einfluß von LH und FSH auf die GnRH-Sekretion durch den Hypothalamus.102 Andererseits könnte diese Methode einige Vor­teile gegenüber der Verwendung von hCG aufweisen, da außer des Hypothalamus alle anderen Komponenten der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse stimuliert werden.

Doch ist Vorsicht geboten: Es ist nicht bekannt, ob die durch exogenes GnRH ausgelöste Hemmung des Hypothalamus und die daraus resultierende Unterproduktion körpereigenen GnRHs zu einer langfristigen Störung der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse und damit wiederum zur Hodenatrophie führt, wenn GnRH und anabole Steroide abgesetzt werden. Jedenfalls hat sich die pul­satile Anwendung exogenen GnRHs in einigen Fällen von Unter­funktion des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems als Folge längerer Verwendung anaboler Steroide als wirksam erwiesen.

Spurenelemente und Vitamine

Einige Athleten nehmen zur Vermeidung von Steroidnebenwirkun­gen Zinkpräparate ein; dies geschieht während der Verabreichung anaboler Steroide und im Anschluß daran. Es hat sich gezeigt, daß Zink vorteilhafte Wirkungen auf verschiedene Prozesse im Körper hat: auf die männliche Sterilität, die vermehrte Ausschüttung von Wachstumshormon, Testosteron und Somatomedin C bei gesun­den, kleinwüchsigen Kindern, bei denen geringe Konzentrationen an Zink in den Haaren festgestellt wurden,103 sowie auf die Erhö­hung des Testosteronplasmaspiegelsa und der Spermienzahl.’°4

a   Testosteronplasmaspiegel — der Testosterongehalt im Blutplasma

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Obwohl die Wirkungen von Zink bei gesunden Athleten noch nicht ausreichend erforscht sind, wird es von einigen Sportlern eingesetzt, die sich davon eine Steigerung der Testosteron- und Dihydrotesto-steronsynthese sowie der Spermienproduktion vor und nach Ver­wendung anaboler Steroide versprechen. Die Dosierungen liegen zwischen 50 und 800 mg Zinksulfat oder -gluconat pro Tag.‘ Es ist allerdings nicht bekannt, ob Zink die mit der Gabe anaboler Steroi­de einhergehende Hemmung der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse überhaupt abschwächen, geschweige denn verhin­dern kann ( Zink siehe Anhang).

Weiterhin werden die Vitamine A, C, E und Folsäure, nicht sel­ten auch in Kombination mit Zink, zur Prophylaxe und Behandlung einer durch anabole Steroide ausgelösten Hodenatrophie einge­setzt. Im allgemeinen zeigen Ernährungsmaßnahmen aber nur geringe Auswirkungen auf eine Unterfunktion des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems als Folge eines längeren Gebrauchs hoher Dosen anaboler Steroide.

BEHANDLUNG EINER VERBLEIBENDEN FEHLFUNKTION
DER HYPOTHALAMUS-HYPOPHYSE-HODEN-ACHSE

Eine verbleibende Fehlfunktion im Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System äußert sich in einem niedrigen Serumtestosteron-spiegel bzw. seinen Symptomen (Müdigkeit, Depression, schwacher

a    Anm. des Herausgebers: Zwar wird Zink als Gluconat und Sulfat nicht vollständig resorbiert, doch erscheinen mir Mengen von 800 mg/Tag weit überhöht. Es darf nicht vergessen werden, daß es sich bei Zink zwar um ein wichtiges Spurenelement, aber auch um ein giftiges Schwermetall handelt. 30 – 60 mg einer gut resorbierbaren Zinkverbindung (z.B. Zinkaspartat) pro Tag sollten ausreichen.

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

Sexualtrieb und geringe sexuelle Leistungsfähigkeit). Wird das Pro­blem bei Athleten festgestellt, deren Testosteronspiegel aufgrund einer durch anabole Steroide ausgelösten Hemmung des Hypotha­lamus-Hypophyse-Hoden-Systems vermindert ist, so leiden diese Patienten oft an Unterfunktionen auf mehr als einer Ebene.

Zunächst muß das Problem lokalisiert werden. Bei den meisten Athleten mit andauernder Unterfunktion des Hypothalamus-Hypo­physe-Hoden-Systems werden Probleme auf der Ebene der Hoden, als auch auf der Hypothalamus-Hypophyse-Ebene sichtbar. Eine Hypophysenunterfunktion äußert sich durch folgende Symptome, die häufig auch zusammen auftreten:

  • eine schwächere Reaktion von LH auf GnRH,
  • eine geringe hypothalamisch-hypophysäre Reserve, die sich durch eine träge Reaktion auf Clomifen zeigt,
  • und einer Hodenunterfunktion, die sich in einer trägen

Reaktion auf hCG äußert.

Niedrige Serumtestosteronspiegel in Verbindung mit niedrigen bis normalen Serumspiegeln an LH deuten zumeist auf eine hypothala-misch-hypophysäre Unterfunktion hin, obwohl dies nicht unbedingt der Fall sein muß.Ios Bei Athleten mit geringen Serumtestosteron-und normalem Serum-LH-Werten kann ebenso gut eine durch ana-bole Steroide ausgelöste Hodenunterfunktion vorliegen.

Bleibt nach dem Absetzen der anabolen Steroide eine andauern­de, signifikante Hemmung des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems zurück, muß davon ausgegangen werden, daß alle drei Komponenten des Regelsystems und vielleicht sogar der Hypophy­se übergeordnete Ebenen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. In einem solchen Fall muß sich die Behandlung auf so viele Ebenen

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

wie möglich erstrecken, was häufig die Anwendung von hCG und GnRH einbezieht. In Fällen von hypogonadotropem Hypogonadis-musa durch Verwendung androgener/anaboler Steroide kann die Reaktion auf hCG sehr heftig ausfallen.1°6 Der wahllose und häufi­ge Gebrauch großer Mengen von Choriongonadotropin wird das Problem aber eher komplizieren als bessern. Wie neuere Studien zeigen, wirken kleinere, weniger häufig verabreichte hCG-Dosen effektiver und führen auch nicht so schnell zur Desensibilisierung der Leydig’schen Zellen.Io7

Liegt das Hauptproblem in einer Unterfunktion der Hoden, d.h. eine langanhaltende Hemmung durch anabole Steroide hat dazu geführt, daß die Hoden auf physiologische Level an LH nicht mehr reagieren, dann könnte die Verwendung von hCG (mit oder ohne begleitende, pulsatile GnRH-Injektionen) über mehrere Wochen oder Monate die Hodenatrophie zurückbilden und die endogene Steroidproduktion steigern. Bei Störungen von Hypothalamus oder Hypophyse allerdings kann die Funktion der Hypothalamus-Hypo­physe-Hoden-Achse nicht durch hCG wiederhergestellt werden. Ios

Bei dieser Art der Unterfunktion nach langem Gebrauch anabo-ler Steroide befinden sich Hypothalamus und Hypophyse noch in einem refraktärenb Zustand, und verbleiben so auch während der hCG-Anwendung. Exogenes hCG fihrt zwar zu einer vermehrten Produktion von körpereigenem Testosteron, doch eben dieses endo­gene Testosteron hemmt die Bildung von körpereigenem LH. Wird

a   hypogonadotroper Hypogonadismus — durch Unterproduktion an Gonadotropinen ausgelöste Unterfunktion der Keimdrüsen

b   refraktär — nicht beeinflußbar

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

das hCG abgesetzt, durchläuft der Athlet trotzdem noch eine Phase der Wiederanpassung. Diese wird durch die Gabe von hCG ledig­lich verzögert. Daher kann bei einem Athleten die Verwendung von hCG während und nach der Verabreichung anaboler Steroide zwar zu einem gewissen Grad eine Hodenatrophie und die daraus folgen­de Unterfunktion der Gonaden verhindern, die Hemmung von Hypothalamus und Hypophyse wird aber nicht beseitigt.

Nach Absetzen des hCGs (entweder gleichzeitig mit oder einige Zeit nach Gebrauch anaboler Steroide) können wegen der fehlen­den Stimulation durch endogenes LH die Hoden immer noch zur Atrophie neigen, was wiederum eine Gonadenunterfunktion mög­lich erscheinen läßt. In solchen Fällen hat sich gezeigt, daß die Verabreichung von hCG (um die Steroidproduktion der Hoden zu stimulieren), gefolgt von einer langfristigen Anwendung von GnRH (mittels einer intermittierend geschalteten Infusionspumpe) den besseren Weg darstellt, um das Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System wieder in Gang zu bringen.

Einige Studien konnten belegen, daß bei Männern mit hypogo-nadotropem Hypogonadismus die normale Funktion von Hypophy­se und Hoden nach einer langfristigen, pulsatilen Anwendung von GnRH erhalten bleibt. Das exogene GnRH stimuliert Hypophyse und Hoden und führt schließlich dazu, daß die Funktion beider Organe sich infolge körpereigener GnRH-Ausschüttung wieder sta-bilisiert.Io9 In meiner Praxis hat sich diese Behandlung fir Sportler mit verminderter Steroidproduktion in den Hoden und andauern­der Unterdrückung des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems bewährt. Wenn aber eine Reaktion auf hCG, Menotropine, GnRH und Anti-Östrogene (s.u.) ausbleibt, was allerdings selten vor‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

kommt, bleibt als letzte Alternative nur noch eine langfristige Ersatzstofftherapie mit exogenem Testosteron (Choriongonadotro-pin, GnRH siehe Anhang).

Antiöstrogene — Tamoxifen, Clomifen, Cyclofenil

Antiöstrogene sind Verbindungen, die endogene und exogene Östrogene sehr effektiv hemmen. Tamoxifen (Novaldex) ist ein ora­les, sehr potentes Antiöstrogen, das nicht auf Steroidbasis aufbaut. Es besetzt die Östrogenrezeptoren im Körper, zeigt aber selbst keine östrogenen Wirkungen. Clomifen (Clomid) ist ein Chlorotrianisen-Analogon,a also ein synthetisches Östrogen. Es wirkt als Antiöstro­gen durch seine geringere Östrogenwirkung. Cyclofenil, ebenfalls eine nicht-steroidiale Verbindung, ist im Verhältnis zu Stilbestrol (ein starkes Östrogen) ein schwaches Östrogen. In seiner Struktur weist es Ähnlichkeiten mit Stilben und Triphenylethylen auf und zeigt auf zentraler Ebene eine höhere Östrogenwirkung als in der Peripherie.110 Es wirkt als Antiöstrogen, indem es Verbindungen mit stärkerer Östrogenwirkung effektiv verdrängt.

Alle drei Verbindungen erhöhen die Produktion endogener Gonadotropine (FSH und LH), was die Hoden zu vermehrter Testosteronproduktion anregt. Früher wurde angenommen, daß diese Wirkung aufgrund des Wegfalls einer durch Östrogene bewirk­ten Hemmung von Hypothalamus und Hypophyse zustande kommt. Erst kürzlich konnte nachgewiesen werden, daß diese Anti­östrogene direkt auf den Hypothalamus einwirken und so die Gona‑

a   Analogon — ähnlicher Fall, ähnlicher Gegenstand, hier: ähnliche Verbindung

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

dotropinsekretion steigern. Von Tamoxifen wird angenommen, daß es auch die GnRH-Ausschüttung erhöht. Clomifen eignet sich gut zur Prüfung der Reserven von Hypothalamus und Hypophyse bei jenen Athleten, die nach Absetzen der anabolen Steroide einen erniedrigten Serumtestosteronspiegel aufweisen.111 Antiöstrogene werden von Sportlern verwendet, um die verweiblichenden, östro-genen Effekte aromatisierbarer anaboler Steroide zu vermindern. Einige Athleten versprechen sich durch die Einnahme von Anti­östrogenen eine vermehrte Bildung von HDL-Cholesterin (s.u.) und wollen sich so wenigstens teilweise vor eventuellen kardiovaskulären Problemen schützen.

Wie es scheint, haben Antiöstrogene aber nur geringe Auswir­kungen auf die durch anabole Steroide verursachten Beeinträchti­gungen der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse. Womöglich hängt das mit den starken, direkten Auswirkungen anaboler Steroi­de auf dieses Regelsystem zusammen. Die meisten Sportler bevor­zugen Tamoxifen als Antiöstrogen. Neuere Untersuchungen deuten aber darauf hin, daß Tamoxifen bei einer kleinen Zahl von Patienten paradoxe Effekte auslösen kann. Statt die Östrogenproduktion zu vermindern, kann Tamoxifen diese steigern; statt als Antagonist kann es sich als Agonist entpuppen.

Aus bislang noch unbekannten Gründen ist dann die Dehydro-epiandrosteron (DHEA)-Produktion in der Nebennierenrinde dra­stisch erhöht. Da DHEA ein Steroidvorläufer in der Produktion peripheren Östrogens (und Testosterons, s.u.) ist, steigt der Serum-östrogenspiegel an, und die Wirkung der Östrogene übersteigt die des Tamoxifens, das sich an die zentralen Rezeptoren bindet. Offen­bar reichen schon geringfügige Erhöhungen der Serumöstrogenkon‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

zentrationen aus, um die antiöstrogene Wirkung des Tamoxifens aufzuheben. Tamoxifen kann auch die Steroidproduktion in den Hoden verringern und so wiederum paradox wirken. In einer neue­ren Untersuchung wurde festgestellt, daß Tamoxifen die Synthesera­te von Testosteron reduziert, und zwar durch Hemmung der alpha-17-Hydroxylase und des C-17,20-Desmolase-Enzymsystems bei gleichzeitiger erhöhter Aktivität der 20-Hydroxysteroid-Dehydroge-nase.112

Nach dem Einsatz anaboler Steroide könnten die hier angeführ­ten Antiöstrogene allerdings die Wiederherstellung einer normalen Funktion des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems durch die Steigerung der endogenen Produktion von LH und FSH beschleuni­gen (Tamoxifen, Clomifen, Cyclofenil siehe Anhang).

GnRH und GnRH-Agonisten
zur therapeutischen Anwendung

Wiederholte Messungen haben offenbart, daß die LH- und FSH-Spiegel im Blut starken Schwankungen unterliegen, was mit der pul-satilen (s.u.) Anlieferung des GnRHs im Hypophysenvorderlappen zusammenhängt. Die ebenfalls pulsatile Anwendung exogenen GnRHs bei Patienten mit hypogonadotropem Hypogonadismus stellt die normale Funktion der Gonaden wieder her.

Der prinzipielle Unterschied zwischen GnRH (einem Dekapep-tid) und GnRH-Agonisten besteht darin, daß GnRH in pulsatiler Weise wirkt, da es rasch, mit einer Halbwertzeit von nur 4 bis 8 Mi­nuten abgebaut wird, während die GnRH-Agonisten langwirkende Verbindungen sind, die keine pulsatilen Eigenschaften aufweisen. GnRH-Agonisten entstehen, indem einige Aminosäuren des

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

GnRH-Moleküls durch solche ersetzt werden, die dem enzymati­schen Abbau im Körper besser widerstehen. Die Agonisten zeigen eine größere Affinität fir die GnRH-Rezeptoren der Hypophyse und binden sich daran auch viel länger als GnRH selbst.

GnRH wird pulsatil, also in Wellen ausgeschüttet. Die Sekretion wird von anderen Hormonen (wie Progesteron) und weiteren Fak­toren beeinflußt und dauert jeweils bis zu 30 Minuten an, kann aber auch länger oder kürzer sein. Ein nicht-pulsatiles GnRH-Angebot fir den Hypophysenvorderlappen, entweder durch Dauerinfusion exogenen GnRHs oder Verwendung langwirkender GnRH-Agoni-sten, bewirkt zunächst eine lange Stimulation (bis zu 70 Stunden) und fihrt dann zu einer völligen Desensibilisierung der Gonadotro-pinsekretion (»Down Regulation«). Die in diesem Fall ebenfalls angeregte Testosteronsekretion, wünschenswert etwa bei der Behandlung von Prostatakrebs, kann durch Antiandrogene unter­drückt werden.113

Es gibt viele therapeutische Verwendungsmöglichkeiten von GnRH; es kann sowohl eine Stimulation als auch eine Hemmung der Gonaden erzielt werden. GnRH wird zur Behandlung von Hypogonadismus, verfrühter Pubertät, Endometriosea und Hirsu-tismus eingesetzt. GnRH-Analogab sind nur als subkutane Injektion oder Nasenspray erhältlich, da sie bei oraler Gabe nicht wirksam sind. Langwirkende GnRH-Analoga sollten nicht zur Behandlung eines hypogonadotropen Hypogonadismus eingesetzt werden, da ihre Anwendung zur Unterdrückung des Hypothalamus-Hypophy‑

a     Endometriose — gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut

b    Analoga — Plural von griech. analogon: ähnlicher Fall, ähnlicher Gegenstand

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

se-Hoden-Systems durch Minderung der LH-Sekretion führt. Die subkutane, pulsatile GnRH-Behandlung mittels Miniatur-Infusions-pumpe dagegen kann als eine außerordentlich effektive Methode zur Behandlung von Athleten mit hypogonadotropem Hypogona-dismus als Folge des Gebrauchs anaboler Steroide empfohlen werden (GnRH siehe Anhang).

Anabole Steroide, ACTH, TRH
und die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse

Hypophysenstimulierende Hormone bewirken vermutlich eine »Kreuzreaktion«, d.h., sie stimulieren mehr als nur die eigentlichen Zieldrüsen. Wie es scheint, stimulieren auch die vom Hypothalamus ausgeschütteten Releasinghormone (wie TRHa und GnRH oder LHRHb) mehr als nur die Zielhormone der Hypophyse. Beispiels­weise erhöht TRH nicht nur die Thyrotropin-, sondern auch die Pro-lactinsekretion. In einer Untersuchung zeigte sich, daß die mit TRH einhergehende Prolactinsekretion durch Gamma-Oryzanol blok-kiert wird.114 Wie in meinem Buch »Beyond Anabolic Steroids« erwähnt wird, kann Gamma-Oryzanol auch die Freisetzung von LH blockieren und so den Serumtestosteronspiegel senken.

ACTH steigert die Steroidproduktion sowohl in den Hoden als auch in den Nebennieren. An Ratten wurde demonstriert, daß der Mechanismus, durch den ACTH die Steroidproduktion in den Hoden anhebt, vom Vorhandensein der Nebenniere abhängt und durch die Verabreichung von Progesteron reproduzierbar ist.115 Es

a     TRH Thyrotropin Releasing Hormone

b    LHRH — Luteneisierendes Hormon Releasing Hormon (andere Bez. fair GnRH)

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

scheint, daß die Sekretion von Glucocorticoiden durch die Neben­nieren als negatives Signal die Steroidproduktion in den Hoden ver­mindert, während Progesteron quasi als positives Signal die Steroid­produktion in den Hoden erhöht. Die Ausschüttung von Progeste­ron durch die Nebennieren und seine Umwandlung zu Testosteron durch steroidspezifische Enzyme in den Leydig’schen Zellen kann als alternativer Weg der körpereigenen Testosteronsynthese gesehen werden. Die erhöhten Plasmatestosteron-Spiegel während akuter Streßphasen und der Kopulation sind vermutlich auf diesen Mecha­nismus zurückzufihren.116

Die Verabreichung pharmakologischer Dosen von Glucocorti-coiden unterdrückt die Steroidproduktion in Nebennieren und Hoden durch Hemmung der LH-Sekretion im Hypophysenvorder-lappen, vielleicht aufgrund einer veränderten GnRH-Sekretion im Hypothalamus.117 Das Endresultat ist eine katabole Stoffwechsella-ge — es kommt zu einem Abbau von Muskel- und Sehnengewebe mit allen bekannten Nachteilen fir die sportliche Leistungsfähigkeit.

Manche Athleten geben ACTH den Vorzug vor Corticosteroi-den oder Glucocorticoiden (Cortison und ähnliche Verbindungen) bei der Behandlung von Muskelverletzungen, da es die körpereigene Produktion von Glucocorticoiden und Androgenen steigert. Daraus ist zu schließen, daß die Gabe von ACTH neben schwäche­ren katabolen vermutlich auch entzündungshemmende und heilen­de Wirkungen nach sich zieht, die aus der erhöhten Ausschüttung von endogenen Glucocorticoiden und Androgenen resultieren. In verschiedenen Untersuchungen wurde festgestellt, daß Testosteron und anabole Steroide die katabolen Effekte von Corticosteroiden mildern können. Im Tierversuch hat sich gezeigt, daß anabole Ste‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

roide den katabolen Effekt von Cortisonacetat aufheben können.‘18 ACTH wird von einigen Sportlern zur Erhöhung des Serumtestoste-ronspiegels und zur gesteigerten Produktion von Androgenen in den Nebennieren eingesetzt.

Bei Verabreichung anaboler Steroide sind die Spiegel des zirku­lierenden Dehydroepiandrosterons und seines Sulfates verringert, was darauf hindeutet, daß anabole Steroide neben einer Hemmung der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse auch die Androgen-produktion in den Nebennieren unterdrücken. Daher wird häufig ACTH verwendet, um gleichzeitig einer verminderten Androgen-produktion in den Nebennieren entgegenzuwirken und die endoge­ne Produktion von Testosteron anzuregen.

Allerdings wird ACTH noch nicht eingesetzt, um Fehlfunktio­nen des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems als Folge des Gebrauchs anaboler Steroide zu korrigieren. Theoretisch könnte ACTH durchaus zur Abschwächung der Wirkung anaboler Steroide auf die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse und der Behand­lung einer Unterfunktion dieses Systems nach dem Absetzen ana-boler Steroide von Nutzen sein (ACTH siehe Anhang).

Corticotrophin Releasing Factor (CRF) wird ebenfalls anstelle von oder zusammen mit ACTH eingesetzt. Dieser Releasing Factor erhöht die endogene ACTH-Sekretion, könnte aber auch antidiure-tische Hormonwirkungen aufweisen und so eine Flüssigkeitsretenti-on verursachen. Aus diesem Grund, oder weil CRF ein sehr sel­tenes Medikament ist, wird es nur von wenigen Athleten zur Lei­stungssteigerung und Behandlung von Verletzungen verwendet. Für die Behandlung einer Unterfunktion des Hypothalamus-Hypophy­se-Hoden-Systems käme auch Thyrotropin Releasing Hormon

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

(TRH) in Frage. Gegenwärtig wird TRH schon von Athleten einge­setzt, nicht nur, um die endogene Produktion von Thyroidhormon zu erhöhen (durch Steigerung der Sekretion des Thyroid-stimulie­renden Hormons — TSH, welches wiederum die Produktion von Thyroidhormon und seine Sekretion durch die Schilddrüse erhöht), sondern auch um die Ausschüttung von Wachstumshormon und LH (und im Anschluß daran die Syntheserate von endogenem Testosteron) zu erhöhen.119 Protirelin (synthetisches TRH) scheint als Neuromodulator im extrahypothalamischen Nervensystem zu dienen und wurde zur Behandlung amyotroper lateraler Sklerose (ALS) bei Männern mit ausreichendem Serumtestosteronspiegel entwickelt.120 Von TRH sind darüber hinaus antidepressive Wirkun­gen bekannt.121

Die hier besprochenen Hormone sind bereits eingehend unter­sucht worden, doch es fehlt an weitergehenden Studien, welche die vielfältigen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Releasing-und stimulierenden Hormonen und solchen, die direkt auf die Ziel­organe wirken, offenlegen.

HAARAUSFALL UND KAHLKÖPFIGKEIT

Anabole Steroide können bei längerer Anwendung die Ausprägung einer genetisch festgelegten Kahlköpfigkeit beschleunigen, aber nicht von selbst Haarausfall und Glatzenbildung auslösen. Es ist jedoch möglich, daß bei Verwendung anaboler Steroide eine Glatze früher auftritt als es normalerweise der Fall gewesen wäre. Kahlköp­fige Männer weisen höhere Level freien Serumtestosterons, erhöhte Mengen von Testosteron im Speichel und geringere Mengen des

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Serumhormonbindenden Globulins‘ (SHBG) auf.122 Darüber hin­aus wurde festgestellt, daß die Talgdrüsen des Kopf haares bei Män­nern, die zur Kahlköpfigkeit neigen, ein größeres Bindungsbestre­ben und eine größere Bindungskapazität fir Androgene aufweisen als bei jenen, die einen vollen Schopf besitzen.123 Dieser Unter­schied könnte die größere Androgenreaktion des Haarschopfes bei Männern mit androgener Alopezieb erklären.

Behandlung von Haarausfall und Kahlköpfigkeit

Das Androgen Dihydrotestosteron (DHT) ist ein Hauptfaktor bei der Entstehung einer Kahlköpfigkeit nach männlichem Muster` und könnte der Hauptauslöser fir Haarausfall sein. Viele Untersu­chungen haben gezeigt, daß die Haarfollikels von Männern mit Glatzenbildung (oder solchen, die dazu neigen) größere Mengen an DHT enthalten und stärker auf Androgene reagieren. So scheint es einleuchtend, daß eine Senkung des Dihydrotestosteronspiegels oder eine Hemmung der DHT-spezifischen Wirkung auf die Haar­follikel die Tendenz zum Haarausfall verringern müßte.

Die Dihydrotestosteronspiegel im Körper können durch ver­schiedene Methoden reduziert werden. Eine Verringerung der allge­meinen Androgenproduktion wird die Gesamtmenge von DHT

a     Globulin — wasserlösliches, in Blutplasma, Gewebeflüssigkeit und Milch vorkommendes Eiweiß

b    androgene Alopezie — durch Androgene ausgelöster Haarausfall

c     Haarausfall nach männlichem Muster — die Art von Haarausfall, die für Männer typisch ist, aber (z.B. durch anabole Steroide) auch bei Frauen auftreten kann

d    Haarfollikel — Haarbalg

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

durch einen geringeren Spiegel an Testosteronvorstufen verkleinern. Eine Senkung der Androgenlevel scheint bei Frauen für die Behand­lung von androgener Alopezie, Hirsutismus und Akne akzeptabel, nicht aber bei Männern, wo sie mit Nebenwirkungen wie dem Ver­lust des männlichen Habitus, verringerter Libido und Gynäkoma-stie einhergeht. Die topischea Anwendung von Antiandrogenen scheint hier praktikabler und löst zudem weniger Nebenwirkungen

aus. 124

Das Enzym alpha-5-Reduktase ist an der Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron beteiligt. Eine Hemmung dieses Enzyms müßte die Produktion von DHT verringern. Dafiir spricht auch, daß Männer mit einem ererbten Mangel an alpha-5-Redukta-se weder ein Zurückweichen der Haarlinie aufweisen noch eine Kahlköpfigkeit entwickeln.

Medikamente, die dieses Enzym hemmen, werden zukünftig eine größere Rolle bei der Behandlung von androgener Alopezie und Hirsutismus spielen. Die lokale Applikationb solcher Enzym-hemmer oder anderer Verbindungen, welche die Bindungsfähigkeit von DHT an die Rezeptoren vermindern, dürfte besonders wirksam sein. Die Entstehung des Dihydrotestosteron-Rezeptor-Komplexes (d.h. die Bindung des Androgens an das Rezeptorprotein) wird so verhindert, was eine wirksame Reduzierung der Auswirkungen von Dihydrotestosteron auf Kahlköpfigkeit, Hirsutismus und Akne ver­spricht. Derzeit wird überwiegend eine Minoxidil-Lösung (Rogain) zur Behandlung männlicher Kahlköpfigkeit verwendet. Obwohl

a    topisch – von außen, äußerlich

b Applikation – Anwendung

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

angenommen wird, daß der Mechanismus einer durch Minoxidil hervorgerufenen Hypertrichosea vasodilatorischeb Effekte ein­schließt, muß der exakte Wirkungsmechanismus dieser Substanz noch geklärt werden. Es wird vermutet, daß topisches oder systemi-sches` Minoxidil auf anderem Wege als durch eine Veränderung des Hormonprofils wirkt.125 Es gibt keinen Beleg dafür, daß Minoxidil die alpha-5-Reduktase hemmt und/oder die Bindung von Dihydro-testosteron an Androgenrezeptoren reduziert, um die Androgenwir-kung in den Haarfollikeln abzuschwächen. Rogain steigert das Wachstum der Haarfollikel wahrscheinlich durch seinen vasodilato-rischen Effekt, eventuell auch durch eine direkte Stimulierung der Haarfollikel.

Die topische Anwendung des Vitamin A-Derivats Tretinoin (Trans-Retinsäure) scheint die Wirkung von Rogain noch zu erhö­hen; die Kombination beider Mittel führt zu einem stärkeren Haar-wachstum.126 Tretinoin allein und in Kombination mit Rogain stimuliert bei kahlköpfigen Männern erneutes Haarwachstum, viel­leicht durch seine Eigenschaft, die Zellproliferationd und -differen-zierung im Epithele zu fördern sowie durch seine Unterstützung der vaskulären Proliferation/ (Minoxidil-, Rogain- und Tretinoinpräpa-rate- siehe Anhang). Mit Ausnahme von Rogain werden viele Ver‑

a    Hypertrichose — von griech hyper (über, übermäßig) und trichos (Haar): vermehrter Haarwuchs

b vasodilatorisch — blutgefäßerweiternd

c     systemisch — innerhalb des Systems, hier: eingenommenes Minoxidil

d Zellproliferation — Gewebevermehrung

e     Epithel — Zellschicht, die Hohlräume begrenzt, hier: Wand des Haarfollikels

f     vaskuläre Proliferation — Vermehrung von Blutgefäßen

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

bindungen, die effektiv die Bildung oder Wirkung von DHT blockie­ren, noch untersucht. Es gibt einige Pflanzenprodukte, die alpha-5-Reduktase-hemmende Eigenschaften besitzen und kosmetischen Präparaten zur Behandlung von Alopezie beigegeben werden. Die meisten dieser Verbindungen (einschließlich Aloe arborescens, Hydrangea macrophylla, Ginseng, Licorice, Rehmannia und Swer-tia japonica) weisen aber nur eine begrenzte Wirkung gegen Haar­ausfall auf und können eine beginnende Kahlköpfigkeit nicht stop­pen. Folgende Ansätze scheinen zur Behandlung einer androgenen Alopezie den größten Erfolg zu versprechen:

  • Die Gabe von Antiandrogenen, um den Testosteronspiegel zu senken und so die Dihydrotestosteronmenge zu verringern (wie oben erwähnt, ist dies aufgrund des Verlustes der Libido und den potentiell feminisierenden Nebenwirkungen bei Männern nicht akzeptabel);
  • die Blockierung des Enzyms, das für die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron zuständig ist;
  • die Verabreichung solcher anabolen Steroide, welche die Menge des endogen produzierten Testosterons reduzieren (durch Hemmung des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems), aber nicht in Dihydrotestosteron umgewandelt werden können.

Auswirkungen anaboler Steroide
auf Haarausfall und Kahlköpfigkeit

Der Einfluß anaboler Steroide auf die Kahlköpfigkeit nach männli­chem Muster ist noch nicht ausreichend untersucht worden. Ausge­hend vom heutigen Kenntnisstand scheint es aber möglich, daß

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

jene anabolen Steroide, die aus Dihydrotestosteron gebildet werden können, den Beginn einer Kahlköpfigkeit vorverlegen und/oder die Geschwindigkeit des Haarausfalles erhöhen, wenn das Individuum eine genetische Prädisposition dafür aufweist. Leider ist nicht genug darüber bekannt, wie einzelne anabole Steroide die Produktion und Rezeptorbindung des Dihydrotestosterons beeinflussen; welche DHT-ähnliche Auswirkungen auf die Kahlköpfigkeit nach männli­chem Muster haben, oder welche gar einen entgegengesetzten Effekt durch Konkurrenz um Dihydrotestosteronrezeptoren aus­üben (und so die Menge des gebundenen DHTs verringern).

Primobolan (Metenolon) z.B. ist von Dihydrotestosteron abge­leitet. Wenn der Metenolon-Rezeptorkomplex die Ausbildung einer Glatze ähnlich dem des Dihydrotestosteron-Rezeptorkomplexes beeinflußt, so würde sich der Haarausfall bei Verabreichung signifi­kanter Metenolonmengen vermutlich verschlimmern. Wenn jedoch der Metenolon-Rezeptorkomplex in geringerem Maße als der Dihy-drotestosteron-Rezeptorkomplex zur Kahlköpfigkeit beiträgt, wür­de der Haarausfall wahrscheinlich verlangsamt, da Metenolon als Konkurrent die Bildung des (in Bezug auf Kahlköpfigkeit) aktiveren Dihydrotestosteron-Rezeptorkomplexes reduziert.

Es ist andererseits möglich, daß anabole Steroide, die nicht von Dihydrotestosteron abgeleitet sind, den Haarausfall drosseln. Da die meisten anabolen Steroide die endogene Produktion von Testo­steron herabsetzen, reduzieren sie wahrscheinlich auch die körper­eigene Produktion von DHT (da bei Männern Testosteron die wich­tigste Vorstufe von Dihydrotestosteron darstellt).

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

FEMINISIERENDE WIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Für die überwiegende Zahl der verweiblichenden Wirkungen ana-boler Steroide ist Östrogen verantwortlich. Wie zuvor bereits erklärt, wird Östrogen im Körper auf zweierlei Weise produziert. Die Hoden des Mannes und die Ovariena der Frau produzieren Östrogen direkt. Daneben existiert bei beiden Geschlechtern noch eine periphere“ Produktion von Östrogen aus den Vorstufen der An-drogene (zumeist Testosteron und Androstenedion).

Ovarien und Hoden schütten hauptsächlich Östradiol, das stärk­ste natürliche Östrogen aus. In der Leber und peripheren Geweben werden Östradiol und Östron aus Androstenedion und Testosteron gebildet. Östron wird in der Leber zu Östriol (das im Urin in größter Menge vorhandene Östrogen) umgebaut. Alle drei Östrogene wer­den im Urin als Glucoronide und Sulfate ausgeschieden.

Übermäßige Östrogenwirkung, besonders im Zusammenhang mit reduzierter Androgenwirkung, führt bei Männern zur Femini-sierung. Gynäkomastie, die Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann ist die bekannteste und entstellendste dieser Östrogenwirkun-gen. Auch Androgene können verweiblichende Effekte bei Män­nern hervorrufen. Dieser Effekt wird noch nicht völlig verstanden, hängt aber vielleicht mit der peripheren Umwandlung von Testoste­ron zu Östradiol zusammen. Die bereits bekannte periphere Um­wandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron spielt hier keine Rolle, da Dihydrotestosteron nicht in Östrogen umgewandelt wer‑

a Ovarien — Eierstöcke

b    peripher — nebensächlich, weniger groß

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

den kann — dieses alpha-5-reduzierte Testosteronderivat aromati­siert nicht. Wahrscheinlich bestimmt die genetische Veranlagung des einzelnen, wieviel Testosteron zu Östradiol und wieviel zu Dihy-drotestosteron umgewandelt wird. So können bei manchen Män­nern schon mittlere Dosierungen aromatisierbarer Androgene und deren Derivate“ feminisierende Nebenwirkungen nach sich ziehen, während andere Männer — selbst bei höheren Dosierungen — keine signifikanten Veränderungen zeigen. Vier Faktoren sind zur Bestim­mung der östrogenen Wirkung anaboler Steroide zu beachten :

  • Welche Struktur hat das anabole Steroid, und wie ist seine Affinität gegenüber den Östrogenrezeptoren im Körper (d.h. entfaltet das Steroid eine östrogene Wirkung)?
  • Wie hoch ist die verwendete Dosis? Bei hoher Dosierung wird das anabole Steroid östrogene Wirkungen auslösen, selbst wenn seine Affinität fir Östrogenrezeptoren gering ist.
  • Aromatisiert das anabole Steroid zu einem Östrogen?
  • Aromatisiert eines der Abbauprodukte des anabolen Steroids zu einem Östrogen? Das Ausmaß der Aromatisierung der Ausgangssubstanz ist allerdings — unabhängig von der

Dosierung — der wichtigste Faktor zur Bestimmung des

östrogenen Effekts der meisten anabolen Steroide.

Ein nicht-aromatisierendes anaboles Steroid kann das Aromatase-Enzymsystem kompetitiv hemmen (es versucht, ebenfalls Rezeptor-stellen zu besetzen) und reduziert auf diese Weise die Menge des normalerweise aus endogenen und exogenen Androgenen syntheti‑

a     Derivate — Abkömmlinge, chemisch verwandte Moleküle

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

sierten Östrogens. Eine Sättigung des Cytochromsystems, das für die Aromatisierung von Androgenen zu Östrogenen sorgt, kann von vielen Androgenen erreicht werden. Die Menge der für die Sätti­gung benötigten Androgenmoleküle würde von der Affinität des Androgens zu den spezifischen Cytochromrezeptoren abhängen.

Der Aromatasehemmer Teslac (Testolacton) vermindert die Östrogenproduktion, obwohl es zu einer vorübergehenden Erhö­hung des Östrogenspiegels kommen kann, wenn Teslac abgesetzt wird (ein sog. Rebound-Effekt). Durch kompetitive Bindung an Cytochrom P-450 verringert Teslac die Aktivität des Aromatase-Enzymsystems, das für die Entstehung von Östrogenen aus Andro­gen-Vorstufen (hauptsächlich Androstendion und Testosteron) ver­antwortlich ist. Teslac weist, anders als einige Steroide, die ebenfalls das Aromatase-Enzymsystem hemmen, keine androgenen oder anabolen Wirkungen auf. Viele Athleten verwenden daher lieber nicht- oder schwach-aromatisierende anabole Steroide zusammen mit jenen anabolen Steroiden, die feminisierende Nebenwirkungen auslösen können (Testolacton siehe Anhang).

Die Umwandlung von Testosteron und 19-Nortestosteron zu Östrogenen wird durch die alpha-17-Alkylierung des Steroidmo­leküls gebremst, nicht aber durch die Veresterung der C-17-Hydro-xylgruppe. Bei anabolen Steroiden, deren A-Ring gesättigt ist (Dihy-drotestosteron-Derivate), 1-Methyl-substituiertena C-19-Steroiden und 4-Chloro-Derivaten von Testosteron und 19-Nortestosteron kommt es zur keiner Aromatisation; 9-Fluoro-Derivate (Fluoxyme‑

a     Substitution — Ersatz, Austausch

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

steron) aromatisieren nur schwach. Substitutionen an den Stellen C-11, C-16 und C-17 reduzieren jeweils das Aromatisierungspotenti-al eines anabolen Steroids.

Östrogenproduktion beim Mann

Wie bereits angesprochen, existieren beim Mann zwei endogene Quellen fir Östrogen. Einerseits wird es direkt von den Hoden aus­geschüttet und andererseits von Körpergeweben (besonders dem Fettgewebe) durch periphere Aromatisierung von Androstenedion und Testosteron zu beta-17-Östradiol und Östriol produziert. Dihy-drotestosteron wird dagegen nur in den peripheren androgenen Zielgeweben gebildet.

Gynäkomastie

Gynäkomastie, die Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann, ist die häufigste feminisierende Nebenwirkung von Androgenen und anabolen Steroiden. Eine aus der Pubertät zurückbleibende Gynäkomastie findet sich häufig bei erwachsenen Männern und ist entweder auf eine verringerte Androgenproduktion in den Neben­nieren und/oder auf eine erhöhte Umwandlungsrate von Dehydro-epiandrosteron-Sulfat und Delta-4-Androstendion zu Östrogenen zurückzufihren.127 Prolactin scheint an der Entstehung einer Gynä-komastie nicht beteiligt zu sein.128

Der wichtigste pathogene Faktor bei einer Gynäkomastie ist das Verhältnis von Testosteron zu Östrogen. Eine Gynäkomastie ist eher möglich, wenn dieses Verhältnis durch eine Verringerung des Testosterons (etwa durch Antiandrogene) oder durch einen relati‑

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

ven Anstieg der Östrogene aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Eine aus der Pubertät verbleibende Gynäkomastie schließt für gewöhnlich die Verschiebung des Androgen-Östrogen-Verhältnisses ein.129 Anti-Androgene, wie Cyproteronacetat, Cimetidin (Tagamet — ein Präparat zur Behandlung von Magengeschwüren) und Spiro-nolacton (Aldacton, Aldactazid — ein Diuretikum, das gegen Flüs-sigkeitsretention und Bluthochdruck eingesetzt wird) verringern den Level und die biologische Aktivität des zirkulierenden Testoste-rons.a

Testosteron und seine aromatisierenden Derivate Gonadotropin (hCG), Menopausengonadotropin (human menopausal Gonado-tropin, hMG) und Gonadoliberin (GnRH) können jeweils den Östrogenspiegel erhöhen. HCG, hMG und GnRH stimulieren zwar die Hoden zu vermehrter Produktion von Testosteron, aber auch zur Bildung von Östrogen. Indem die endogenen Östrogenspiegel über zwei Mechanismen — Produktion in den Hoden und periphere Umwandlung — gesteigert werden, lösen exogenes hCG, hMG und GnRH eher feminisierende Wirkungen bei Männern aus als die Ver­abreichung von Testosteron.

Lebererkrankungen, welche die Östradiolproduktion durch Ver­mehrung der Vorstufen im Plasma erhöhen, und Fettleibigkeit, bei der die periphere Umwandlung von Testosteron zu Östrogen erhöht ist, sind ebenfalls mögliche Auslöser für eine Gynäkomastie.

a    zirkulierendes Testosteron — freies, biologisch aktives Testosteron; 98% des Testosterons im Körper ist an Globuline gebunden und somit inaktiv, bei Bedarf wird dieses Testosteron freigesetzt. Nur ca. 2% des Gesamttestosterons liegt in freier (und aktiver) Form vor.

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Besteht der Verdacht, daß die Gynäkomastie durch ein Medika­ment verursacht wird, kann ihr Fortschreiten durch Absetzen dieses Präparates aufgehalten werden. Die Rückbildung der weiblichen Brust beim Mann erfolgt danach minimal oder gänzlich, abhängig davon, wie weit die Gynäkomastie bereits fortgeschritten ist.

Meine Empfehlung zur Behandlung einer durch Medikamente induzierten Gynäkomastie, die auch nach Absetzen der auslösen­den Substanz (ob anabole Steroide, Cimetidin, Spironolacton, Ketoconazol oder ein anderes Präparat) zurückbleibt, ist die Kom­bination von Dihydrotestosteron13o (als nicht aromatisierendes, androgen/anaboles Steroid) und Tamoxifen (als Antiöstrogen).131 Dihydrotestosteron verringert die Serumspiegel von Östradiol, LH, FSH und Testosteron. Tamoxifen entfaltet seine Wirkung sowohl auf hypothalamischer Ebene (vergrößerte Reaktion des LHs auf LHRH), als auch auf der Ebene des Zielgewebes (durch Östrogen-Rezeptorblockade).

Anstelle von Dihydrotestosteron (in einigen Ländern nicht erhältlich) kann auch ein anderes, nicht-aromatisierendes anaboles Steroid verwendet werden. Nicht-aromatisierende anabole Steroide verringern ebenfalls den Serumspiegel an LH und Testosteron und folglich den der Östrogene. Die Kombination mit Tamoxifen maxi­miert das Verhältnis von Androgenen zu Östrogenen und führt zu einer signifikanten Rückbildung der weiblichen Brust beim Mann.

Ich habe herausgefunden, daß mit dieser Behandlung aus der Pubertät herrührende Gynäkomastien ebenfalls erfolgreich behan­delt werden können. Hier ist es eher das endogene Hormonprofil, das diesen Zustand verursacht, als die Verwendung exogener Hor-mone.132 Eine weitere Möglichkeit der Therapie, die sich der oben

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

beschriebenen Behandlung sogar als überlegen erweisen könnte, ist die Kombination von DHT mit einem langwirkenden LHRH-Ago-nisten. Der LHRH-Agonist regelt das Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System herunter. Dies führt zu einer merklichen Verringe­rung der Produktion von (potentiell aromatisierbarem) Testosteron; Dihydrotestosteron (als nicht aromatisierbares Steroid) ersetzt das fehlende Testosteron. Verbindungen wie Clomifen, oder besser noch, Tamoxifen vermindern die Produktion von Steroiden in den Nebennieren zusätzlich. In den ersten zwei Wochen der LHRH-Verabreichung sollte daher eine größere Dosis Tamoxifen appliziert werden, um einer anfänglichen Erhöhung der Serumtestosteron-und Östrogenspiegel entgegenzuwirken.

Zur Behandlung einer schwachen Gynäkomastie genügt oft schon der alleinige Einsatz von Dihydrotestosteron oder eines nicht-aromatisierenden anabolen Steroids. So sind z.B. Fälle bekannt geworden, in denen Sportler allein durch Umsteigen von Testosteron oder einem aromatisierenden anabolen Steroid zu Dihydrotestosteron oder einem nicht-aromatisierenden anabolen Steroid ihre Gynäkomastie signifikant reduziert haben. Nebenwir­kungen bei der Verwendung von Dihydrotestosteron zur Behand­lung von Gynäkomastie würden eine erhöhte Anfälligkeit fir Akne und, falls eine Prädisposition fir männlichen Haarausfall vorliegt, früher einsetzenden Haarausfall einschließen (eher, als er normaler­weise erfolgt wäre — siehe hierzu den vorangegangenen Abschnitt über Haarausfall und Kahlköpfigkeit).

Es gibt noch einige andere Verbindungen, die bei der Behand­lung einer Gynäkomastie von Nutzen sein könnten, obwohl sie nicht so effektiv wirken wie die Kombination von Tamoxifen,

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

LHRH-Agonist und Dihydrotestosteron. Clomifencitrat z.B. hat sich bei der Rückbildung einer verbleibenden pubertären Gynäko-mastie als wenig wirksam erwiesen.133 Aus meiner Praxis heraus kann ich diese Aussage auch für Clomifencitrat bei der Therapie von Gynäkomastie infolge des Gebrauchs anaboler Steroide bestäti­gen. Danazol dagegen scheint für die Rückbildung einer beginnen­den Gynäkomastie in der Pubertät und beim erwachsenen Mann geeignet. In zwei Untersuchungen134,135 führte die Gabe von Dana-zol zu einem Rückgang der Plasmakonzentrationen an Testosteron, FSH und LH; gleichzeitig nahm die Empfindlichkeit der Hypophy­se für das Releasinghormon des luteinisierenden Hormons (LHRH oder GnRH) ab (Dihydrotestosteron, LHRH-, bzw. GnRH-Ago-nisten, Tamoxifen, Clomifen, Danazol siehe Anhang).

Eine Gynäkomastie, die durch Medikamente nicht völlig zurück­gebildet werden kann, muß chirurgisch korrigiert werden. Durch die Entfernung des Brustgewebes können exzellente kosmetische Ergebnisse erzielt werden.136

DER WEIBLICHE ATHLET UND ANABOLE STEROIDE

Ebenso wie Männer setzen auch Frauen anabole Steroide zur Lei­stungssteigerung im Sport ein; und genau wie Männer sind auch sie anfällig für Nebenwirkungen.137338 Obwohl die meisten Frauen in erster Linie weniger androgene Verbindungen verwenden, tauchen mit fortgesetztem Gebrauch auch die unvermeidbaren Androgen-Nebenwirkungen auf. Frauen halten allerdings die sichtbaren Nebenwirkungen häufig für störender als die gefährlicheren inneren Nebeneffekte.139 Die bei Frauen auftretenden Nebenwirkungen

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

sind nicht nur eine direkte Folge des Gebrauchs anaboler Steroide, sondern auch der verringerten Produktion von Östrogenen und Progesteronen in den Ovarien als Folge der Hemmung von LH und FSH durch anabole Steroide. Diese Androgen-Nebenwirkungen beinhalten:

  • Haarausfall nach männlichem Schema,
  • Gesichts- und Körperbehaarung wie beim Mann (Hirsutismus),
  • Akne,
  • Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation (durch Hemmung von LH und FSH und Einwirkung auf die luteale Phase des Menstruationszyklusses),140
  • Vergrößerung der Klitoris,
  • Vertiefung der Stimme,
  • Abnehmen der Brustgröße.

Bei Frauen mit vorhandener genetischer Prädisposition kann sich die Virilisierung, einschließlich Stimmvertiefung, Akne, Hirsutis-mus, einer Hypertrophie der Klitoris und androgener Alopezie — besonders bei längerdauernder Anwendung anaboler Steroide — als irreversibel erweisen.

Kahlköpfigkeit

Frauen, die anabole Steroide verwenden (oder unter Hyperandro-genämiea leiden), sind auch anfällig für eine Kahlköpfigkeit nach männlichem Schema. Pathogenese und Behandlung sind bei Män­nern und Frauen ähnlich, doch gibt es einige Unterschiede. Die

a Hyperandrogenämie — erhöhte Androgenproduktion

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Therapie bei der Frau ist, wie im Falle des Hirsutismus, auf die Nor­malisierung der veränderten Balance von Östrogenen und Androge-nen ausgerichtet. Dazu werden geringe Dosierungen von Antian-drogenen, Östrogenèn, Prolactin-Hemmern, Corticoiden ebenso wie antiandrogen- und östrogenhaltige Haarlotionen141 verwendet.

Hirsutismus

Kahlköpfigkeit, Akne und Hirsutismus als Folge der Verwendung anaboler Steroide sind ein Resultat erhöhter Androgenspiegel und/oder einer erhöhten Sensibilität der Zielorgane fir Androgene (in den Fällen, wo nur geringe Dosen anaboler Steroide verwendet wurden). Obwohl die Pathogenese des Hirsutismus bis jetzt nur unvollständig verstanden wird, ist doch genug bekannt, um unter Berücksichtigung der damit verbundenen physischen und psycholo­gischen Probleme Vorschläge fir Diagnose und Therapie142-I44 zu geben.

Die intrazelluläre Umwandlung des Testosterons zu alpha-5-Dihydrotestosteron (DHT) wird als Auslöser fir die androgenindu-zierte Beeinflussung der Haarfollikel betrachtet. Die Aktivität der lokalen alpha-5-Reduktase bestimmt die Androgenempfindlichkeit in den betroffenen Bereichen. Bei Frauen, die an Hirsutismus lei­den, ist die Umwandlungsrate von Testosteron zu alpha-5-DHT signifikant erhöht und erreicht fast männliche Verhältnisse. Auffäl­lig ist auch eine sehr hohe Aktivität der alpha-5-Reduktase (die ja eine vermehrte Verwendung intrazellulären Testosterons zur Syn­these von Dihydrotestosteron anzeigt), bei gleichzeitig nur mäßiger Erhöhung der Testosteron- und Androstendionspiegel im Plasma.

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

Dies stützt einerseits die Theorie, daß der idiopathischea Hirsutis-mus durch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Zielorgane für Androgene verursacht wird; andererseits unterstreicht es die Bedeu­tung von alpha-5-Reduktase als Verstärker der Androgenaktivität. Von Akne befallene Haut weist bis zu zwanzigmal mehr DHT auf als gesunde Haut. Bei jenen Frauen, die Hirsutismus, Akne und Haarausfall als Folge der Verwendung anaboler Steroide entwik-keln, oder wenn die Ursache für diese Probleme in den Ovarien oder Nebennieren liegt, ist der bedeutendste pathogene Faktor die erhöhte Menge zirkulierender Androgene. Die wichtigsten endoge­nen Androgene bei Frauen sind Dihydrotestosteron, Testosteron, Androstendion, Dihydroepiandrosteron (DHEA) und Dihydro-epiandrosteron-Sulfat (DHEAS).

Etwa 50% des Testosterons stammt aus Ovarien und Nebennie­ren, der Rest entsteht in der Peripherie. Mehr als 90% des DHEAS wird in den Nebennieren produziert; folglich ist DHEAS ein guter Marker für die Androgenproduktion in den Nebennieren. Die eine Hälfte des zirkulierenden Androstendions stammt aus den Ovarien, die andere aus den Nebennieren. Das gesamte DHT wird in der Peripherie synthetisiert. Bei Frauen, die keine anabolen Steroide einsetzen, ist eine Bestimmung der freien Androgene der aufschluß­reichste Test auf Hirsutismus.145 Bei jenen, die anabole Steroide ver­wenden, können alle der oben erwähnten Konditionen zutreffen; eine zweite Möglichkeit wäre, daß die anabolen Steroide periphere Androgenwirkungen ausüben, die zu Hirsutismus und androgener Alopezie führen.

a    idiopathisch — selbständig, unabhängig, hier: nicht von anabolen Steroiden ausgelöst

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Behandlung von Hirsutismus

In vielen Fällen führt allein das Absetzen der anabolen Steroide zu einem Rückgang der Symptome. Bildet sich der Hirsutismus nicht völlig zurück, ist für gewöhnlich die Anwendung von Anti-Androge-nen oder eine TestosteronsenkungsTherapie angebracht.

Anti-Androgene wie Cyproteronacetat, Cimetidin (Tagamet), Spironolacton (Aldacton, Aldactazid)146 und Ketoconazol, ein Me­dikament gegen Pilzbefall, verringern Menge und biologische Wirk­samkeit des Testosterons. Die meisten dieser Verbindungen vermin­dern ebenfalls das peripher produzierte Dihydrotestosteron (DHT) und eignen sich zur Behandlung von vielen Fehlfunktionen, die mit einer Hyperandrogenämie einhergehen. Dazu zählen Kahlköpfig­keit nach männlichem Schema, Hirsutismus und Akne ebenso wie Prostata- und Brustkrebs beim Mann, Hypersexualität (Nympho­manie, Satyriasis) sowie weitere geschlechtliche Abweichungen.147

Cyproteronacetat ist ein potentes Antiandrogen und das wohl effektivste Mittel zur Behandlung von Hirsutismus (auch für Kahl­köpfigkeit und Akne). Es vermindert die Produktion von Testoste­ron sowie DHT und konkurriert mit DHT um Androgenrezeptoren. Als bekannte Nebenwirkung von Cyproteronacetat muß allerdings mit einer Abschwächung der Libido bei Männern und einigen Frau­en gerechnet werden. In Großbritannien und anderen Teilen Euro­pas wird Cyproteronacetat in Verhütungsmitteln eingesetzt, sowohl als Progestinkomponente, als auch als Anti-Androgen. Seine Nebenwirkungen werden hier bewußt einkalkuliert: man verspricht sich die Feminisierung eines männlichen Fötus und die Vermeidung von Amenorrhö. Das orale Kontrazeptivum Diane z.B. enthält

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

Ethinylöstradiol (ein Östrogen) und Cyproteronacetat. Diane ist als empfängnisverhütendes Mittel nur geeignet fir Frauen mit Hirsutis-mus oder schwerer Akne. Die Kombination von Cyproteronacetat und Östradiol hat sich als effektive Hirsutismusbehandlung be­währt. Cyproteronacetat reduziert auch die mit Hirsutismus einher­gehende Beeinträchtigung der Lymphozyten durch das H-Y-Anti-gen.148 Spironolacton ist nicht so wirksam wie Cyproteronacetat, wird bei langfristiger Verwendung aber besser toleriert. Wenn es mit einem Progesteron mit minimal androgenen Eigenschaften kombi­niert wird, läßt sich seine Wirkung noch steigern; gleichzeitig wer­den kurze Menstruationszyklen vermieden. Diese Kombination ist derzeit besonders bei jungen Frauen die Therapie der Wah1.149 Can-renon, der bedeutendste Metabolit von Spironolacton, ist erst kürz­lich als wirksames Therapeutikum fir idiopathischen Hirsutismus nach der Pubertät vorgeschlagen worden. l5°

Cimetidin zeigt in der Behandlung von Hirsutismus und anderen Androgen-Nebenwirkungen anaboler Steroide wenig Wirkung, ob­wohl es antiandrogene Eigenschaften besitzt.151 Die Funktion des Cimetidins als Antiandrogen ist weniger eindeutig als bei anderen Verbindungen; Studien belegen, daß es den Testosteronserumspie-gel sowohl senkt,152 als auch anhebt.153 Ketoconazol, ein Imidazol-Derivat mit antifungaler Wirkung, hemmt reversibel Cytochrom-P-450-(17)-alpha und katalysiert‘ die Umwandlung von Progestin zu Androgenen sowie die Sequenzb zwischen ACTH/LH-Bindung und

a    Katalyse — Beschleunigung eines chemischen Prozesses durch Anwesenheit einer geringen Fremdstoffmenge

b    Sequenz — Abfolge

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Pregnenolonsynthese. Es hemmt die C 17, C20-Lyaseaktivität (beim Menschen vermutlich nicht) sowie die 17-Hydroxylierung und beeinflußt so die Cortisonproduktion in den Nebennieren und die Testosteronsynthese in den Leydig‘ schen Zellen der Hoden.154’155

Ketoconazol ist zur Behandlung von Hirsutismus, Akne und anderen Fällen androgener Hypersekretion156 anwendbar; schon in niedriger Dosierung hemmt es die Androgenproduktion in Hoden und Nebennieren, ohne aber die Cortisonsynthese nennenswert zu beeinträchtigen.157,158 Allerdings läßt sich selbst bei niedriger Dosierung das Risiko einer übermäßigen Hemmung der Testoste-ronsynthese nicht ausschalten.159 Obwohl Ketoconazol gut vertra­gen wird, hat es mehr Nebenwirkungen als andere Antiandroge-ne160 und ist bisher kaum zur Behandlung von Beschwerden ver­wendet worden, die mit Hyperandrogenämie einhergehen.

GnRH- und LHRH-Agonisten (s.o) haben sich dagegen bei der Behandlung von Hirsutismus bewährt.161°162 Gegen ernste und hart­näckige Fälle von Hirsutismus hilft die Kombination eines langwir­kenden GnRH-Agonisten (zur Unterdrückung der Synthese von Testosteron und Androgenvorstufen in den Ovarien) und einem Östrogen sehr effektiv. Diese Kombination — eventuell gekoppelt mit Progesteron — hat eine synergistischea Wirkung und ermöglicht theoretisch medikamentenfreie Intervalle, in denen der Serum-testosteronspiegel fair einige Wochen vermindert bleibt. Mittlerwei­le sind auch GnRH/LHRH-Analoga mit Depotwirkung (eine Injek­tion hält bis zu vier Wochen vor) erhältlich, welche diese Therapie

a   Synergie — die Gesamtwirkung der Kombination ist größer als die Summe der Einzelwirkungen

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

praktikabel erscheinen lassen (siehe Anhang). Eine bis heute wenig gebräuchliche Hirsutismusbehandlung stellt die systemische oder topische Anwendung von alpha-5-Reduktasehemmern dar.163 In einer weiteren Studie wurde festgestellt, daß Schilddrüsenhormone bei der Behandlung des Hirsutismus junger Menschen Erfolg ver-sprechen.164 Allen medizinischen Behandlungsformen fir Hirsutis-mus ist eines gemein: Eine biochemische Reaktion erfolgt viel schneller als eine klinische. Es kann bei Gabe von Dexamethason innerhalb von Tagen, bei Einnahme von oralen Kontrazeptiva oder Spironolacton innerhalb weniger Wochen zu einer signifikanten Verminderung der Plasmaandrogene kommen. Für gewöhnlich dauert es jedoch drei bis sechs Monate, bis eine Wirkung auf das Wachstum der Körperbehaarung sichtbar wird.

Oft sind neben der medizinischen Therapie zur Absenkung der Hormonspiegel auch lokale Maßnahmen wie eine elektrische Ver­ödung der Haarwurzeln oder Enthaarungsmittel angezeigt — bei unbehandelten Patienten ebenso wie bei jenen, deren Hyperandro-genämie sich als behandlungsresistent erweist165 (Diane, Cyprote-ronacetat, Cimetidin, Spironolacton, Ketoconazol, Canrenon, Östradiol, GnRH-, LHRH-Agonisten, Progesteron, Dexamethason siehe Anhang).

AKNE UND ANABOLE STEROIDE

Akne ist eine verbreitete Hauterkrankung, die zumeist zwischen dem 12. und 26. Lebensjahr auftritt. Obwohl Akne für gewöhnlich kein medizinisches Problem darstellt, kann sie ernste soziale und psychologische Probleme verursachen. Das Zusammenspiel von Hormonen, getrockneten Drüsensekreten, abgestorbenen Hautzel‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

len und Bakterien bestimmt Verlauf und Schwere dieser Erkran­kung. Als Resultat dieses Zusammenwirkens werden die Poren der Haut blockiert und infiziert. Blockierung und nachfolgende Infekti­on treten hauptsächlich bei Menschen mit überaktiven Talgdrüsen auf und sind zumeist eine Folge vermehrter Ausschüttung von Sexu­alhormonen. Akne äußert sich durch ein breites Spektrum unange­nehmer Symptome. In den meisten Fällen treten einige Mitesser und Pickel auf. Schwerer wiegen große Zysten und eitrige Pusteln, deren Abheilung nicht selten gravierende Narben hinterläßt.

Bei Athleten, die anabole Steroide benutzen, ist Akne weit ver­breitet. Die wissenschaftliche Literatur weist aber nur spärliche Informationen zu diesem Problem auf. Es existieren nur wenige Publikationen, meistens zu ungewöhnlichen Fällen wie z.B. über schwere Akne bei Patienten mit einem Testosteron-behandelten Klinefelter Syndrom.166

In einer neuen Studie zum Serumspiegel an Testosteron und Östradiol bei Akne-Patienten wird berichtet, daß bei den untersuch­ten Männern die Testosteronspiegel normal, die Östradiolspiegel aber signifikant (40%) erhöht waren. Bei den weiblichen Patienten waren die Östradiolspiegel normal, doch die Testosteronspiegel sig­nifikant (47%) höher als bei gesunden Frauen.167

Die aknebefallene Haut produziert etwa zwanzigmal mehr DHT als gesunde Haut. DHT entsteht bei der Umwandlung von Testoste­ron, Androstendion und DHEA innerhalb der Zelle; das Enzym alpha-5-Reduktase katalysiert diese Reaktion. Folglich führen jene anabolen Steroide, die zu Dihydrotestosteron umgebaut werden können, eher zu schwerer Akne (und zu Problemen wie Kahlköpfig­keit und Hirsutismus — siehe oben). Ebenso wird die Anfälligkeit

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

eines Athleten für Akne durch Verbindungen erhöht, die eine endo­gene Produktion von Testosteron und Dihydrotestosteron steigern, wie Gonadotropine, Gonadotropin-Stimulantien, Cyclofenil, Clo-mifen und hCG.

Behandlung von Akne

Die Behandlung einer Akne ist abhängig von deren Schwere. Exzes­sives Waschen und Scheuern reduziert weder Auftreten noch Aus­maß der Akne und kann sogar gefährlich sein. Ich schlage für gewöhnlich vor, daß sich der Patient zwei- bis dreimal täglich mit einer milden Seife wäscht. Personen, die zu Akne neigen, sollten keine Seife auf Ölbasis benutzen und auch solche auf Wasser- und Puderbasis nur sparsam verwenden.

Obwohl viele Untersuchungen ergeben haben, daß die Nah­rungszusammensetzung nur eine untergeordnete Rolle bei der Ent­stehung von Akne einnimmt, läßt sich das Krankheitsbild manchmal durch diätetische Maßnahmen verbessern. Eine ausge­wogene Diät, ebenso wie die Einnahme von Vitamin A- und Zink­präparaten, kann bei einigen Patienten das Ausmaß der Akne redu­zieren.

An Medikamenten zur Aknebehandlung sind eine ganze Reihe von verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Präparaten erhältlich. Unabhängig von der Medikation dauert es aber fast im­mer zwei bis drei Monate, bis eine deutliche Besserung eintritt. Daher sollte darauf geachtet werden, daß die Behandlung nicht schon nach kurzer Zeit abgebrochen wird, wenn schnelle Erfolge ausbleiben. Frei erhältliche Präparate, besonders solche, die Ben-zylperoxid enthalten, reichen zur Behandlung einer milden Akne

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

völlig aus. Benzylperoxid eignet sich besonders zur Behandlung von Aknepusteln. Benzylperoxid-Präparate auf Wasserbasis verursa­chen die wenigsten Hautreizungen und sind für Patienten mit emp­findlicher Haut zu empfehlen. Benzylperoxid-Präparate auf Alko­hol- oder Acetonbasis sind besser für Personen mit dunkler und weniger empfindlicher Haut geeignet — besonders wenn es sich um fettige Haut handelt. Benzylperoxid-Präparate gibt es in den unter­schiedlichsten Konzentrationen; es ist ratsam, mit der geringsten Stärke zu beginnen (gerade bei reizbarer Haut), um dann auf höher dosierte Präparate hinzuarbeiten.

Retinolsäure ist ein Vitamin A-Derivat, das als Gel, Creme und Lotion erhältlich ist. Diese Verbindung ist zur Bekämpfung von Mitessern gut geeignet. Äußerlich anwendbare Antibiotika (wie Clindamycin und Erythromycin), entweder allein oder in Kombina­tion mit Benzylperoxid oder Tretinoin, haben sich zur Behandlung von moderater bis schwerer Akne, bei der Entzündungen überwie­gen, bewährt.

In Fällen von resistenter oder schwerer Akne können auch orale Antibiotika wie Tetracyclin oder Erythromycin eingesetzt werden. Sie werden normalerweise über eine längere Zeitspanne appliziert (Monate bis Jahre), da die Akne nach kurzfristiger Verabreichung häufig wiederkehrt. Bei längerer Verwendung von Antibiotika kön­nen Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden, daher sollten diese Medikamente erst dann zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Neuere Untersuchungen zeigen, daß sich mit der Kombination von oralen Antibiotika und äußerlich angewendetem Benzylperoxid noch bessere Ergebnisse erzielen las­sen. Die Behandlung extremer Akne, besonders des nodulozysti‑

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HORMONBEDINGTE NEBENWIRKUNGEN

schen Typs (gekennzeichnet durch entzündete Knötchen, die auf­fällige Narben hinterlassen), hat sich mit Entwicklung der 13-Cis-Retinolsäure (Isotretinoin) verändert. Isotretinoin (im Handel unter dem Namen Accutane) ist ein synthetischer Verwandter des Vita­min A und stellt die derzeit wirkungsvollste Therapie fär schwere Akne dar. Accutane wirkt nicht nur sehr effektiv, die eintretende Besserung kann auch über Jahre hinweg anhalten. Accutane kann allerdings verschiedene temporäre Nebenwirkungen auslösen. Sei­ne Verwendung erfordert daher eine sorgfältige medizinische Betreuung. Ursprünglich war Accutane nur fir schwere zystische Akne gedacht. Heute jedoch setzen es viele Ärzte bei schweren Fäl­len von Akne ein, die auf andere Formen der Behandlung nicht gut ansprechen. Accutane darf bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden, außer es werden strenge Vorkehrungen zur Empfängnisverhütung getroffen, da es den heranwachsenden Fötus deformieren kann.

Eine alternative Behandlung von Akne bei Frauen stellt die Ver­wendung oraler Kontrazeptiva dar, in besonders schweren Fällen mit einem Antiandrogen kombiniert (siehe unter Hirsutismus). Bei alleinigem Einsatz eines Antiandrogens sollte die Patientin unbe­dingt auch empfängnisverhütende Mittel anwenden, da die Mög­lichkeit der Feminisierung eines männlichen Fötus besteht.

Akne kann darüber hinaus durch Bestrahlung mit ultraviolettem Licht, Cryotherapiea und Akne-Chirurgie behandelt werden. Akne-Chirurgie mit Comedon-Extraktion und Drainageb der Zysten kann

a Cryotherapie — Kältetherapie

b    Drainage — Entwässerung

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

auch in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung erfol­gen. Cryotherapie oder die Verwendung flüssigen Stickstoffs zum Gefrieren bestimmter entzündlicher Läsionen sind andere Alterna­tiven. Bei manchen Patienten erweist sich die Verwendung ultravio­letter Strahlen im Bereich des Sonnenlichts als hilfreich. Eine lang­fristige Bestrahlung ist aber wegen des damit einhergehenden erhöhten Hautkrebsrisikos und zu erwartender vorzeitiger Hautalte­rung nicht zu empfehlen.

Auch für jene Sportler, die keine ausreichende Behandlung ihrer Akne erfahren und eine unansehliche Narbenbildung entwickelt haben, gibt es noch Hoffnung. Hier empfehlen sich chirurgische Techniken wie Dermabrasion,a Narbenelevation, Narbenentfern­ung und eventuell die Implantation von Kollagen. All diese Behand­lungen können die äußerlichen Defekte einer schweren Akne zum Verschwinden bringen. Allerdings sollte es bei den heute verfügba­ren Medikationen gar nicht erst soweit kommen, daß chirurgische Techniken nötig werden (Benzylperoxid, Retinolsäure, Erythromy­cin, Clindamycin, Tetracyclin, Tretinoin, Isotretinoin siehe An­hang).

a Dermabrasion — Abschleifen der obersten Hautschicht

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KAPITEL IV

ASAROLESTF.ROIDF.

UND DAS

KARDIOVASKULARE SYSTEM

Die Auswirkungen anaboler Steroide auf das kardiovaskuläre System scheinen – anders als jene, die einem erhöhten Cholesterin­spiegel (siehe unten) zugerechnet werden – nur minimal zu sein, vorausgesetzt, es liegt keine genetische Prädisposition fir Bluthoch­druck oder Herzerkrankungen vor. Die meisten Athleten zeigen bei Verwendung anaboler Steroide eine leichte Erhöhung des systoli-schen Blutdrucks und der Pulsfrequenz.168 Dies ist in der Regel auf die gesteigerte Flüssigkeits- und Natriumretention sowie der daraus resultierenden Effekte auf Nebennierenrinde und zirkulierende Katecholamine zurückzuführen. Allerdings kann selbst ein leichter Blutdruckanstieg bei bereits existierendem Bluthochdruck – oder genetischen Anlagen dafür – unangenehme Auswirkungen haben. Manchen Athleten ist daher eine Verminderung der Salzaufnahme zu empfehlen, eventuell auch eine Medikation. Anabole Steroide

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

haben signifikante Auswirkungen auf verschiedene hämodynami-schea Parameter. In einer Studie wurde festgestellt, daß bereits nied­rige Dosierungen (15 mg/Tag) von Metandienon, verabreicht über eine Zeitspanne von zwei Monaten, zu einem 15%igen Anstieg des Blutvolumens, verringerter Herzfrequenz in Ruhe und unter Bela­stung, erhöhtem Herzindex (Minutenvolumen in Liter/Quadratme-ter Körperoberfläche) und Herzschlagindex bei Belastung sowie erhöhten Spitzenwerten beim Blutfluß während nach-ischämischer Hyperämieb geführt haben.169 In dieser Untersuchung wird beiläu­fig erwähnt, daß die fettfreie Körpermasse während der Behand­lungszeit deutlich zunahm. Während einige Studien belegen, daß anabole Steroide einen direkten Hypertrophie-Effekt` auf den Herz­muskel, besonders auf das linke Ventrikeld ausüben, 170″71 konnten andere Untersuchungen dies nicht bestätigen.172,173

Ein Teil der Probleme bei der exakten Messung eines möglichen Hypertrophie-Effekts durch anabole Steroide liegt darin begründet, daß Körpertraining allein schon zu einer signifikanten Hypertro­phie des Herzmuskels führt. Es ist daher nicht einfach, festzulegen, welcher Anteil daran gleichzeitig verabreichten anabolen Steroiden

a    Hämodynamik — die beim Transport des Blutes in den Gefäßen herrschenden Bedingungen: Fließeigenschaften, Druck, Volumen, Elastizität der Gefäße, etc.

b    nach-ischämische Hyperämie — Wiederauffillen entleerter Blutgefäße; das sauerstoffreiche Blut wird durch die Arterien angeliefert, gibt den mitgeführten Sauerstoff an das Gewebe ab und wird durch die Venen zurückgeführt. Sind Blutdruck und -menge durch anabole Steroide erhöht, werden die Gefäße stärker belastet als normal

c     Hypertrophie-Effekt — Größenzunahme eines Muskels durch Zellwachstum (nicht zu verwechseln mit Hyperplasie — Größenzunahme durch vermehrte Zellteilung)

d Ventrikel — Kammer, Hohlraum, hier: Herzkammer

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

zukommt. Bislang ist auch noch unklar, ob ein durch anabole Stero­ide ausgelöstes Wachstum des Herzmuskels als Vorteil oder Nach­teil zu werten ist. Wegen eben dieser möglichen Auswirkung auf die Herzmuskulatur wurden anabole Steroide nämlich schon als Thera­peutikum für einige Formen kardiovaskulärer Erkrankungen ver-wandt.174,1n

Es gibt Belege dafür, daß die hämodynamischen Effekte anabo-ler Steroide die durch Ausdauertraining verbesserte Pumpleistung des Herzens vermindern.176 Diese Abschwächung könnte eine Fol­ge des vergrößerten peripheren Widerstandes und des verringerten spätdiastolischena Volumens sein. Andere Untersuchungen haben auf das vermehrte Auftreten atherosklerotischer Erkrankungen bei Männern im Gegensatz zu Frauen im gebärfähigen Alter hingewie­sen und nahegelegt, daß eine Wechselbeziehung zwischen Blutge­fäßen und Sexualhormonen (Steroiden) die Pathogenese in solchen Fällen beeinflussen könnte. Testosteron und anabole Steroide machen Sportler durch hormonelle Auswirkungen auf Cholesterin­spiegel (siehe unten) und Blutgefäße wahrscheinlich anfälliger fir atherosklerotische Erkrankungen.

Eine neuere Studie hat gezeigt, daß Testosteron in vitrob die Aktivität der Lysyloxidase stimuliert und die glatte Aorten-Muskel-zellec ein zelluläres Ziel fir Androgene darstellt. Die Autoren schlossen daraus, daß die Entwicklung fibrotischer arterieller

a    diastolisch — von griech. diastole (Trennung, Unterschied): die auf die Kontraktion folgende Erweiterung der Herzkammern

a    in vitro — im Reagenzglas, hier: im Laborexperiment

b    Aorta — Hauptschlagader

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Läsionena mit Ablagerungen überschüssigen Kollagens zumindest teilweise durch die androgeninduzierte Stimulierung von Kollagen-Quervernetzungen — katalysiert von der Lysyl-Oxidasel77 — reguliert wird. Es ist daher durchaus möglich, daß androgene Hormone für das häufigere Auftreten atherosklerotisch-kardiovaskulärer Krank­heiten bei Männern verantwortlich sind.

CHOLESTERIN UND ANABOLE STEROIDE

HDL (High Density Lipoprotein) ist als »gutes« Cholesterin bekannt, da es Cholesterin zur Leber transportiert, wo es verstoff-wechselt wird. Ein hoher HDL-Wert bedeutet, daß weniger Chole­sterin die Arterien verstopfen und Herzerkrankungen verursachen kann. Je höher der HDL-Wert und je niedriger das Gesamtcholeste­rin, desto geringer ist das Risiko für die Entstehung von Herzerkran­kungen.

LDL (Low Density Lipoprotein) wird dagegen als »schlechtes« Cholesterin bezeichnet. LDL kann in die Gefäßwände der Arterien eingebaut werden und so jene Plaques begünstigen, die den Blutfluß zum Herzen und anderen Geweben einschränken. LDL steigert also die Anfälligkeit für Herzerkrankungen (und weitere koronare Probleme). Je höher der LDL- und der Gesamtcholesterinspiegel, desto größer ist das Risiko, einen Herzanfall zu erleiden (tatsächlich verhält es sich etwas komplizierter, da verschiedene Typen von HDL und LDL existieren). lm vergangenen Jahrzehnt haben zahl‑

a  fibrotische arterielle Läsionen — bindegewebsartige Wucherungen, an die sich kollagenes

Eiweiß bindet; die Arterien »verhärten« und der Aderquerschnitt wird verkleinert

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

reiche Untersuchungen ergeben, daß hohe HDL-Konzentrationen der Entstehung von atherosklerotischen Erkrankungen, speziell an den Herzkranzgefäßen, entgegenwirken.178 Die positiven Auswir­kungen körperlichen Trainings auf den Serumcholesterinspiegel wurden ebenso nachgewiesen wie der negative Einfluß anaboler Steroide auf denselben.179-185 In der Tat werden alle positiven Aus­wirkungen des Körpertrainings aufgehoben, wenn ein Athlet anabo-le Steroide verwendet.

Es besteht ein genereller Konsens,‘ daß die Verwendung anabo-ler Steroide den Serumcholesterinspiegel bei Männern und Frauen anhebt und dabei die Menge des Low-Density-Lipoprotein-Chole­sterins erhöht sowie den HDL-Spiegel senkt, doch sind weitere Untersuchungen erforderlich, bevor die Cholesterinproblematik im Zusammenhang mit anabolen Steroiden abschließend geklärt wer­den kann.

Das Ausmaß, in dem eine Hormonverbindung den Cholesterin­spiegel im Serum beeinflußt, hängt oft vom verwendeten anabolen Steroid ab. Orale alpha-17-alkylierte anabole Steroide (wie Stanozo-lol) scheinen z.B. mehr unerwünschte Wirkungen auf die Lipopro-teine zu haben als injizierbare (wie Testosteron).186 Dies ist leicht vorstellbar, da alpha-17-alkylierte anabole Steroide eher eine Chole-stase verursachen, die den Cholesterinstoffwechsel beeinflußt.187 Einige Androgene verringern allerdings den Serumcholesterinspie­gel. So senkt z.B. Androsteron, das schwach androgene Stoffwech-selprodukt von Dehydroepiandrosteron und Testosteron (in mäßi‑

a Konsens — Übereinstimmung

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

ger Dosierung) den Serumcholesterinspiegel. Testolacton, ein nicht-androgenes Testosteronderivat, hat den gleichen Effekt auf die Lipoproteinkonzentrationen (Anzeichen dafür, daß diese Wir­kung sich vom anabolen Prozeß trennen läßt). Wie gezeigt werden konnte, verringert Furazabol (Miotolon), ein dem Stanozolol ähnli­ches anaboles Steroid, ebenfalls das Serumcholesterin188-190 und wird z.B. in Japan als Therapeutikum zur Senkung des Cholesterin­spiegels verwendet.

Die Auswirkungen der verschiedenen anabolen Steroide auf Gesamtcholesterin, HDL, LDL, Very Low Density Lipoprotein (VLDL) und Triglyceride im Serum sind noch nicht abschließend geklärt. Selbst das Wissen um bekannte Risikofaktoren erleichtert die Bestimmung der klinischen Tragweite der durch anabole Steroi­de ausgelösten Veränderungen der Lipidspiegel nicht: Bluthoch­druck, genetische Prädisposition, Alkoholkonsum, Rauchen und Übergewicht sind bisher stets als unabhängige Risikofaktoren fir Erkrankungen der Koronararterien erfaßt worden.

Sogar Streß kann größere Erhöhungen des Cholesterins im Blut verursachen (bis zu fast dem Doppelten des Normalwertes). Da Athleten anabole Steroide häufig vor Wettkämpfen einsetzen, kann sich der Trainings- und Wettkampfstreß ebenso auf ihre Lipidprofi-le auswirken. Selbst das Eßverhalten beeinflußt den Cholesterin­spiegel. Wird die Nahrungsmenge auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt, kann allein diese Maßnahme das Serumcholesterin um bis zu 10% senken. Die Serumspiegel von Lipiden und Lipoproteinen werden darüber hinaus durch Veränderungen des Körpergewichts beeinflußt — eine Gewichtszunahme führt selbst dann zu erhöhten Serumcholesterin- und LDL-Werten sowie einer Senkung des HDL‑

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

Spiegels, wenn gleichzeitig trainiert wird. Da Athleten unter dem Einfluß von anabolen Steroiden zwangsläufig an Gewicht zulegen, taucht die Frage auf, inwieweit die Abweichungen im Lipidprofil mit der Gewichtszunahme zusammenhängen.

Doch selbst wenn die Ursachen ungewiß bleiben: Ein erhöhter Serumcholesterinspiegel darf nicht ignoriert werden; der Zusam­menhang mit Atherosklerose und anderen Erkrankungen der Koro-nararterien ist schließlich nachgewiesen. Athleten mit erhöhtem Serumcholesterin, relativ hohem LDL oder niedrigem HDL, ob sie anabole Steroide zuführen oder nicht, sollten unbedingt ihre Lebensweise ändern. Dies gilt besonders für jene, die durch geneti­sche Prädispositionen eher mit Herzkrankheiten rechnen müssen. Erst kürzlich erschien ein Bericht über den Herzinfarkt eines 22-jährigen Gewichthebers, der anaboler Steroide zufiihrte.I9I Es ist anzunehmen, daß die Steroide einen wichtigen Faktor bei der Ent­stehung des Infarktes darstellten.

Ein Expertengremium des »National Cholesterol Education Program« veröffentlichte vor einigen Jahren einen Report, der Richtlinien für die Behandlung hoher Cholesterinwerte im Blut Erwachsener (im Alter von 20 Jahren und darüber) enthält.I92 Das Gesamtcholesterin wird folgendermaßen eingestuft:

  • weniger als 200 mg/dl — Normalwert;
  • 200 bis 239 mg/dl — Grenzlinie zum hohen Cholesterinwert;
  • größer oder gleich 240 mg/dl — hohes Blutcholesterin.

Der Bericht empfiehlt, als erste Maßnahme zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels diätetische Maßnahmen einzuleiten. Weiterhin werden die LDL-Level festgelegt, bei denen eine Therapie beginnen sollte, und detaillierte Anleitungen zur Ernährung gege‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

ben. Werden nach sechs Monaten intensiver Ernährungstherapie immer noch erhöhte Cholesterinwerte gemessen, muß überlegt wer­den, Medikamente einzusetzen. Die Entscheidung fir eine medika­mentöse Therapie darf aber nicht leichtfertig getroffen werden.

Die Mediziner sind sich einig, daß eine Cholesterintherapie mit Medikamenten auf Personen mit hohem Risiko beschränkt werden sollte, d.h. insbesondere auf Patienten mit schwerer oder mittel­schwerer Hypercholesterinämie, die gleichzeitig prädisponierende Faktoren wie Erkrankungen der Koronararterien oder Diabetes auf­weisen, sowie auf Fälle mit kardiovaskulärer oder cerebrovaskulärer Atheromatose in der Familie. Für Personen mit niedrigen Risiko­faktoren und nur moderat erhöhten Serumcholesterinspiegeln soll­ten Diätempfehlungen und die Korrektur anderer Risikofaktoren ausreichen.

Die Anhebung des HDLs und die Senkung des LDLs stellen die wichtigsten präventiven Maßnahmen für Menschen mit einem er­höhten Risiko von Herzerkrankungen dar. Ein weiterer Faktor darf aber nicht außer acht gelassen werden: der Serumtriglyzeridspiegel. Hohe Triglyzeridwerte, die von niedrigen HDL-Spiegeln begleitet werden, scheinen das Risiko eines Herzinfarktes noch zu erhöhen. Daher sollten niedrige Serumspiegel von LDL und Triglyceriden bei gleichzeitig hohem HDL-Spiegel angestrebt werden.

Es bleibt festzustellen, daß auch einige anabole Steroide den Serumtriglyceridspiegel reduzieren und daher nützlich bei der Behandlung einiger Typen von Hyperlipoproteinämien sein könn-ten.193 Genetische Faktoren und Lebensgewohnheiten müssen bei der Bestimmung des Risikos fir Herzerkrankungen ebenfalls berücksichtigt werden:

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

  • eine Vorgeschichte von Herzerkrankungen in der Familie,
  • hoher Blutdruck,
  • Rauchen,
  • überwiegend sitzende Lebensweise mit wenig Bewegung,
  • Übergewicht,
  • Verwendung anaboler Steroide und Streß.

Diese Faktoren erhöhen das Herzinfarktrisiko, da unter ihrem Ein­fluß das HDL-Cholesterin abnimmt und die Triglyzeridwerte stei­gen. Es gibt neben androgen-anabolen Steroiden noch weitere Prä­parate, die den HDL-Spiegel senken, unter anderem exogene Proge-stine und Prubucol (ein Medikament zur Senkung des gesamten Serumcholesterins). Auch manche Medikamente gegen Bluthoch­druck reduzieren gleichzeitig das HDL-Cholesterin, besonders Thiazid-Diuretika, Reserpin, Methyldopa und die Betablocker (mit der möglichen Ausnahme von Pindolol).

Diätetische Maßnahmen

Athleten mit erhöhtem Gesamtcholesterinspiegel, relativ hohem LDL oder niedrigem HDL — egal ob anabole Steroide verwendet werden oder nicht — sollten ihre Lebensweise entsprechend ändern. Vor allem jene, die einer Risikogruppe mit erhöhter Tendenz zur Ausbildung von Herzerkrankungen angehören, sollten die nachfol­gend aufgeführten Präventivmaßnahmen beherzigen:

  • Verringerter Verzehr gesättigter tierischer Fette (wie Eidotter, Butter, Innereien, fettes rotes Fleisch etc.);
  • Vermeidung bestimmter Öle, die den Serumcholesterinspiegel anheben (wie Kokosnuß- und Palmöl);

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

  • Erhöhte Aufnahme von Linolensäure (eine mehrfach ungesät­tigte Fettsäure, die den Serumcholesterinspiegel senkt);
  • Einschränkung der Gesamtkalorienaufnahme und Gewichts­abnahme.

Darüber hinaus empfiehlt sich ein regelmäßiges Körpertraining, nicht zu rauchen und selbstverständlich der Verzicht auf anabole Steroide als leistungssteigerndes Mittel!

Athleten, die keine anabolen Steroide verwenden, aber immer noch einen hohen Serumcholesterinspiegel aufweisen (entweder weil sie ihre Lebensweise nicht genügend geändert haben oder sie nicht ausreichend ändern können) und jene Athleten, die trotz eines erhöhten Serumcholesterinspiegels die anabolen Steroide nicht absetzen wollen, müssen auf andere Maßnahmen, vielleicht sogar cholesterinsenkende Präparate zurückgreifen. 194-196

Supplements und Medikamente

Verschiedene Supplements (Nahrungsergänzungspräparate) und Medikamente senken den Cholesterinspiegel. Wie nachgewiesen wurde, spielen Vitamine eine entscheidende Rolle im Lipidstoff-wechse1.197 Die Coenzyme von Pantothensäure, Niacin und Ribo­flavin sind an der Synthese und Oxidation der Fettsäuren beteiligt. Vitamin B12, Folsäure, Vitamin C sowie die essentiellen Fettsäuren beeinflussen den Lipidstoffwechsel durch andere Mechanismen. Coenzymformen von Vitamin B12 und Folsäure sorgen durch die Synthese der Aminosäure Methionin für einen ausgeglichenen Pool an Methylradikalen, die ihrerseits für die Biosynthese der Phospho­lipide nötig sind. Als Teil der mikrosomalen Atmungskette unter‑

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

stützt Vitamin C die Umformung von Cholesterin in Gallensäure. Die essentiellen Fettsäuren, vor allem Linolensäure, sind direkt an Transport und Abbau des Cholesterins beteiligt. Es besteht also die Möglichkeit, daß einige Fehlfunktionen des Lipidstoffwechsels aus einer primären oder sekundären Hypovitaminose‘ stammen.

Haferkleie und Niacin senken erwiesenermaßen das Serumcho­lesterin jeweils um bis zu 15% (der cholesterinsenkende Effekt von Haferkleie ist allerdings erst kürzlich angezweifelt worden). Zusam­men könnten sie einen ergänzenden Effekt ausüben und in man­chen Fällen den Serumcholesterinspiegel um bis zu 30% und mehr senken. Nikotinsäure (Niacin) und seine Derivate beeinflussen Serumlipoproteine und hämodynamische Faktoren positiv und sen­ken so das Atheroskleroserisiko.198 Niacinverbindungen reduzieren effektiv die atherosklerotischen Lipoproteine VLDL und LDL, erhöhen das anti-atherogene HDL (vor allem die HDL2-Fraktion) und steigern die Umwandlungsrate von LDL zu HDL.

Athleten, die anabole Steroide einsetzen, verwenden zur Sen­kung des Cholesterinspiegels zwischen 500 und 1000 mg Niacin täglich; einige bevorzugen Niacin-Retard-Präparate.b Diese Darrei-chungsform hat weniger Nebenwirkungen als normale Niacin-Sup­plements, besonders der sog. Niacin-Flush — plötzliche Hautrötun­gen und Juckreiz durch Niacin-Überdosierung — tritt seltener auf (Niacin, Vitamin C siehe Anhang).

a    Hypovitaminose – Vitaminmangel

b    Retard-Präparate – Darreichungsformen, bei denen im Magen-Darmtrakt das Vitamin (oder andere Stoffe) nicht auf einmal, sondern Ober einen längeren Zeitraum freigesetzt wird; die Versorgung erfolgt also kontinuierlicher

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Folgende Medikamente senken den Serumcholesterinspiegel: Das Gallensäure-bindende Cholestyramin, Phenytoin, exogene Östroge­ne, Alkohol, Gemfibrozil (Lopid), das hauptsächlich fir Personen mit zusätzlich erhöhtem Serumtriglyzeridspiegel verwendet wird, und Lovastatin. Die Vereinigten Staaten und Canada haben erst vor kurzem Lovastatin (Mevacor) fir die Senkung hoher Cholesterin-werte im Blut zugelassen. Dieses Präparat ist das erste einer neuen Gruppe von Medikamenten, welche die Cholesterinsynthese in der Leber durch Hemmung des Enzyms HMG-CoA-Reduktase kon­trollieren. Die Leber wird so gezwungen, Cholesterin aus dem Blut aufzunehmen, um Gallensäure bilden zu können. Klinische Unter­suchungen in den Vereinigten Staaten haben gezeigt, daß Lovastatin LDL und Gesamtcholesterin vermindert und HDL anhebt.

Die vorgenannten Medikamente vermindern effektiv das Risiko eines Herzanfalls durch eine Senkung des LDL- und Triglycerid-spiegels sowie die Erhöhung des HDL-Levels. Im Vergleich zu älte­ren Präparaten sind die Nebenwirkungen von Gemfibrozil und Lovastatin (sowie verwandter Präparate) relativ gering. Werden ver­schiedene Medikamente kombiniert, kann der cholesterinsenkende Effekt vermutlich noch verstärkt werden.199 Wie sich gezeigt hat, bewirkt die Kombination einiger Verbindungen Senkungen der Serumcholesterinspiegel, die jenen gleichen, welche mit der Redu­zierung atheromatöser Plaques im Tierversuch einhergehen.20°

Auch die Auswahl der Medikamente, die für eine Behandlung anderer Probleme verwendet werden, beeinflußt nicht selten den Serumspiegel des Cholesterins. So beschreibt eine neuere Untersu­chung, daß bei Patienten mit Magengeschwüren, denen H2-Rezep­tor-Antagonisten (Cimetidin und verwandte Präparate) verordnet

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ANABOLE STEROIDE UND DAS KARDIOVASKULÄRE SYSTEM

wurden, signifikante Erhöhungen des HDL-, HDL2- und HDL3-Profils auftraten.201 Im Gegensatz dazu zeigt die Studie, daß Raniti-din keine diesbezügliche Wirkung aufweist und vielleicht sogar den HDL-Spiegel senkt (Gemfibrozil, Lovastatin, Cholestyramin, Phe-nytoin, Cimitedin siehe Anhang).

CEREBRALE HÄMORRHAGIE UND SCHLAGANFALL

Bisher sind einige Fälle bekannt, die mit anabolen Steroiden in Ver­bindung gebracht werden. Ein 34-jähriger Bodybuilder, der über vier Jahre verschiedene anabol-androgene Präparate eingenommen hatte, entwickelte 17 Tage vor einem Bodybuilding-Wettkampf plötzlich eine akute Lähmung der rechten Körperhälfte und Sprachschwierigkeiten.202 Wie es scheint, hat er sich schnell wieder erholt. Angesichts extremer Diäten und der großen Zahl anderer Medikamente, die von Bodybuildern zur Wettkampfvorbereitung eingesetzt werden, ist aber schwer zu sagen, welche Rolle den ana-bolen Steroiden bei diesem Schlaganfall zukam.

In der Literatur wird von drei weiteren Schlaganfällen bei Perso­nen berichtet, die hohe Dosen anaboler Steroide oder Testosteron einnahmen. Bei einem Mann wurde Testosteron im Rahmen einer Ersatzstoff-Therapie verwendet.203 In seinem Fall lagen die Serum-testosteronspiegel zehnmal höher als bei anderen Patienten, die sich ebenfalls einer Ersatzstoff-Therapie unterzogen. In den beiden anderen Fällen wurden anabole Steroide zur Behandlung einer apla-stischen Anämie eingesetzt. In einem Fall wurde ein 22-jähriger Student mit hypoplastischer Anämie zwei Monate lang mit hohen Dosen anaboler Steroide behandelt.204 Der zweite geht auf eine

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Untersuchung an 27 Patienten zurück, von denen drei Thrombosen im oberen Sagittal-Sinus entwickelten. Die Hormonbehandlung wurde daraufhin gestoppt, was zu einer schrittweisen Rückbildung der neurologischen Symptome fiihrte.205

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KAPITEL V

PSYCHOLOGIE DES

STEROIDGEBRAUCHS

Zweifellos sind einige Athleten aggressiver, vielleicht auch leichter reizbar, wenn sie anabole Steroide verwenden. Die meisten Sportler erfahren auch eine gesteigerte Motivation in Training und Wett­kampf. Es ist gut möglich, daß verbesserte Motivation und gestei­gerte Aggressivität bei Einnahme anaboler Steroide zumindest teil­weise für deren anabolen Effekt verantwortlich sind. Während der Verwendung anaboler Steroide ist die Einstellung des Athleten posi­tiver, und sie oder er trainiert wahrscheinlich härter. Bei manchen mögen Aggressivität und Reizbarkeit vielleicht ausufern und zusam­men mit bereits vorhandenen Persönlichkeitsstörungen zu emotio­nellen Entgleisungen und sogar Gewalttätigkeiten führen (der oft zitierte, aber überbewertete »roid rage«) .a Die Sportverbände recht­fertigen das Verbot von Dopingsubstanzen fir gewöhnlich durch

a    von engl. steroid rage »rage« entspricht dem deutschen Begriff Raserei (in Rage)

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

die Betonung gefährlicher Nebenwirkungen. Dieser Umstand hat vielleicht zur Überreaktion auf Nebenwirkungen und psychologi­sche Effekte des Steroidgebrauchs unter Sportlern, in den Medien und der wissenschaftlichen Literatur geführt. Manche Ärzte und Wissenschaftler gehen gar so weit, zu behaupten, daß anabole Ste­roide psychisch abhängig machten,206 oder sie sprechen anabolen Steroiden ein Abhängigkeitspotential gleich dem illegaler Rausch­drogen zu.

Erst kürzlich sind vier Untersuchungen publiziert worden, die ernste psychische Störungen mit dem Gebrauch anaboler Steroide in Zusammenhang bringen. In einem Fall entwickelte ein 17-jähri­ger männlicher Bodybuilder207 Symptome etwa sechs Monate nach Beginn der Einnahme unbekannter Steroide vom schwarzen Markt. In einem weiteren kam es bei einem 27-jährigen männlichen Body-builder208 innerhalb weniger Tage nach Beginn der oralen Einnah­me von 6 mg Oxandrolon (zweimal täglich) zu euphorischen Zuständen, Unruhe, Hyperaktivität und Verfolgungswahn. Ein drit­ter Bericht209 beschreibt psychotische Zustände bei einem Body­builder, der anabole Steroide einsetzte. Ein Vierter210 gibt paranoi­de Symptome bei vier von fünf depressiven Männern wieder, die wenige Tage nach der ersten Einnahme von Imipramin und Methyl-testosteron auftraten; bei allen vier Patienten verschwanden die Symptome prompt nach Absetzen der Präparate.

Diese Studien stützen sich auf persönliche Angaben der unter­suchten Personen und haben — obwohl zweifellos interessant — nur geringen wissenschaftlichen Wert. Es ist unmöglich erfaßbar, ob die geschilderten emotionellen Beeinträchtigungen auf anabole Steroi­de zurückgehen oder das Resultat anderer, unbekannter Faktoren

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PSYCHOLOGIE DES STEROIDGEBRAUCHS

waren. Man kann nicht einfach behaupten, daß die bei einem Athle­ten auftretenden psychotischen Störungen durch den Gebrauch anaboler Steroide verursacht werden. Zahllose Menschen leiden unter psychotischen Störungen und nur sehr wenige von ihnen neh­men anabole Steroide ein.

Es besteht kaum ein Zweifel daran, daß bestimmte Hormone wie Testosteron und anabole Steroide Aggressionen zu steigern vermö­gen, sowohl im sexuellen als auch im sozialen Bereich. Während bei manchen Spezies Östrogen das maßgebliche Hormon zu sein scheint,21‚ wurde bei anderen und beim Menschen ein Zusammen­hang zwischen Aggression und den Spiegeln bestimmter endogener Androgene festgestellt. Dies gilt besonders für bestimmte soziale und fir Konkurrenz-Situationen.212,2I3

Bedingt durch die kognitive Natur des Menschen tragen aller­dings viele weitere Faktoren zur Aggressivität bei. So könnte allein schon der allgemeine Konsens, anabole Steroide förderten Aggres­sionen, tatsächlich zu Veränderungen bei jenen führen, die sie ver­wenden. Schon die Vermutung, daß anabole Steroide Aggression und Unruhe steigern, erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß Athleten eben diese Gefühle zeigen.

Um die psychologischen Wirkungen anaboler Steroide angemes­sen bewerten zu können, müssen viele Faktoren bedacht werden. Ein einfaches Bild soll dies erläutern helfen: Stellen wir uns vor, das menschliche Gehirn bestünde aus zwei Teilen. Einer davon ist das Gehirn unserer Vorfahren; in ihm stecken alle Instinkte und Gefih-le der Vorläufer des Menschen — Reptilien und Säugetiere. Diese Region des Gehirns enthält die Schaltkreise für unser instinktge­steuertes Verhalten und ist zuständig für emotionelle Zustände wie

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

Aggression, Wut, Angst, das Bedürfnis nach Nahrung und Wasser sowie unser sexuelles Verlangen. Mit diesem Teil unseres Gehirns reagieren wir instinktiv auf tatsächliche oder vermeintliche Bedro­hungen, um unser Überleben unter widrigen Bedingungen zu sichern. Doch solche primitiven Gefühle passen eigentlich nicht mehr in die heutige Zeit. Der andere Teil unseres Gehirns, der cere-brale Cortex, gilt als Zentrum unseres Verstandes und kontrolliert für gewöhnlich das instinktive Verhalten. Daher können wir unser Verlangen nach Essen, Schlaf, Kampf und Sex kontrollieren. Manchmal kann sich die Vernunft aber nicht durchsetzen, und unsere Emotionen übernehmen die Führung. Besonders in Situatio­nen, in denen es um das nackte Überleben geht, werden unsere Handlungen häufig vom Instinkt bestimmt.

Bei Athleten kann der extreme Streß durch Training und Wett­kampf, vielleicht gepaart mit unrealistischen Erwartungen dessen, was zu erreichen möglich wäre, oft schon ausreichen, um primitive Gefühle wachzurütteln und so zu emotionellen und psychologi­schen Störungen führen. Obwohl argumentiert wird, daß Hormone, besonders Testosteron, unser primitives Gehirn beeinflussen, existiert kein eindeutiger Beleg, daß dies so sein muß. Unser ratio­nelles Verhalten — oder der Mangel daran — läßt sich nicht allein auf den Serumtestosteronspiegel reduzieren.

Es wird auch angenommen, daß anabole Steroide psychisch ab­hängig machen und nach dem Absetzen zu Entzugserscheinungen führen. Nach meiner Erfahrung leiden aber nur jene Athleten, bei denen eine Fehlfunktion des Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Systems zurückbleibt und die deshalb verminderte Serumtestoste-ronspiegel aufweisen, unter signifikanten emotionellen Nebenwir‑

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PSYCHOLOGIE DES STEROIDGEBRAUCHS

kungen nach dem Absetzen der Steroide. Diese Nebenwirkungen, vor allem Müdigkeit, Depressionen, verringerter Sexualtrieb und ein gewisser Grad an Impotenz (vielleicht begleitet von einer Ten­denz zu weiblichem Habitus einschließlich Gynäkomastie) ist allge­mein bei Patienten mit geringem Serumtestosteron als Folge von Hypogonadismus zu beobachten — entweder primär oder sekundär durch Streß, Medikamente oder Krankheit.214

Demnach glaube ich, daß Sportler, die nach dem Absetzen ana-boler Steroide derartige Symptome aufweisen, nicht von anabolen Steroiden abhängig sind (obwohl andere gegenteiliger Meinung sind).215 Ich denke vielmehr, daß ihre Symptome durch Störungen im Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-System, vielleicht auch durch eine so entstandene Hodenunterfunktion mit verminderter endo­gener Steroidproduktion zustande kommen — das Endresultat ist ein niedriger Serumtestosteronspiegel.

Befindet sich der Serumtestosteronspiegel erst wieder auf nor­malen Niveau, sind die meisten dieser Patienten ebenso ausgegli­chen und emotional stabil, wie sie es vor der Verwendung anaboler Steroide waren. Jedoch wäre es nützlich, die Wirkungen und Nach­wirkungen hoher Dosierungen anaboler Steroide und Testosteron auf opioide und aminerge Transmittersysteme eingehender zu untersuchen, um herauszufinden, ob eine Hemmung des Hypotha­lamus-Hypophyse-Hoden-Systems (und vielleicht auch des Hypo-thalamus-Hypophyse-Somatotropin-Systems, des Hypothalamus-Hypophyse-Schilddrüsen-Systems sowie des Hypothalamus-Hypo-physe-Nebennierenrinden-Systems), welche bei Sportlern auftritt, die anabole Steroide und verwandte Präparate benutzen, zu den o.g. Symptomen führen kann. Es gibt einige Belege dafür, daß hormo‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

nelle Veränderungen, manchmal durch eine Drüsenfehlfunktion von Hypothalamus oder Hypophyse, als Folge von Streß oder man­chen depressiven Erkrankungen auftreten können.216,217 In den letz­ten Jahren hat sich herausgestellt, daß psychotische Depressionen (Selbsttäuschung) mit einer auffälligen Aktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Systems einhergehen, die zu psychi­schen Störungen fiihrt, vielleicht aufgrund erhöhter dopaminerger Aktivität.218 Wechselwirkungen solcher Art haben die Auffassung von corticosteroid-induzierten Psychosen maßgeblich beeinflußt. Dies gilt auch für einige der psychischen Komplikationen des Cus-hing-Syndroms.a

Bei manchen Athleten beruht das Selbstwertgefühl, vielleicht wegen eines sozialen Zwanges oder aufgrund unzureichenden Selbstbewußtseins, auf dem körperlichen Selbstbildnis. Letzteres könnte zu einer Abhängigkeit von anabolen Steroiden führen. Die Selbstbestätigung durch eine beeindruckende körperliche Erschei­nung könnte der Grund sein für die langfristige Verwendung anabo-ler Steroide nach Verletzungen und nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Wettkampfgeschehen.

a Cushing-Syndrom — Stoffwechselkrankheit, die durch einen Überschuß an Glucocorticoiden entsteht

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KAPITEL VI

ANABOLE STEROIDE UND

DAS IMMUNSYSTEM

Sexualhormone werden wegen ihrer komplexen Regulationsmecha-nismen mit weitreichenden Auswirkungen auf das Immunsystem schon länger mit vielen Autoimmunkrankheitena in Verbindung gebracht. Die Wirkungsmechanismen der steroidalen Sexualhor­mone (sowohl auf humorale“ als auch auf zelluläre Komponenten der Immunreaktion) werden aber noch nicht genau verstanden. Ebenso muß die statistische Relevanz vieler Entdeckungen zur Beeinflußbarkeit des Immunsystems durch endogene und exogene Sexualhormone (auch anabole Steroide) noch bestätigt werden.219 Körperliches Training allein hat schon vielfaltige Auswirkungen auf das Immunsystem. Wie bereits nachgewiesen wurde, kann Training

a    Autoinimunkrankheiten — Erkrankungen, die auf Fehlfunktionen des Immunsystems beruhen; das Immunsystem greift den eigenen Körper an

b    humoral — die Körpersäfte betreffend

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

zu einer zeitweiligen Schwächung des Immunsystems führen, wobei Übertrainieren eventuell eine kurzfristig erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen auslöst.22° Im allgemeinen, so scheint es, kompen­siert aber die verbesserte Fitness den negativen Einfluß von Trai-ningstreß auf das Immunsystem.221 Viele Wissenschaftler stimmen sogar darin überein, daß die meisten Athleten, die fit und nicht übertrainiert sind, eine verbesserte Immunantwort mit einer verrin­gerten Anfälligkeit für Erkrankungen erkennen lassen.222

Es gibt einige klinische Befunde, die auf eine Schwächung des Immunssystems während der Einnahme anaboler Steroide hindeu-ten.223 Grundlage dafür sind Veränderungen bei den zirkulierenden Antikörpern und den Zellen des Immunsystems. Wie sich in einigen Studien herausgestellt hat, lagen die Immunglobuline (IgG, IgM und IgA) bei den Anwendern anaboler Steroide signifikant niedri­ger als in den jeweiligen Kontrollgruppen. Diese Untersuchungen legen den Schluß nahe, daß hohe Dosen anaboler Steroide das Immunsystem beeinträchtigen können und eine regelmäßige, lang­fristige Schwächung des Immunsystems eventuell zu höheren Infek­tionsrisiken oder verschiedenen Formen von Krebs führen kann.

Andererseits hat sich herausgestellt, daß Männer, die mit Andro-genen behandelt werden eine erhöhte Aktivität der T-Supressor Lymphozytena aufweisen. Daraus läßt sich schließen, daß Androge-ne entweder eine erhöhte Ausschüttung von T-Suppressorzellen aus dem Knochenmark bewirken oder einen Effekt auf den Differenzie-rungsprozeß von T-Suppressorzellen ausüben. Es ist sogar vorstell‑

a   T-Supressor Lymphozyten — spezialisierte weiße Blutkörperchen, die Mikroben und anomale Zellen abtöten

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ANABOLE STEROIDE UND DAS IMMUNSYSTEM

bar, daß verschiedene Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus Erythematodes, rheumatische Arthritis und Sklerodermie durch einen Mangel an zirkulierenden T-Suppressor Lymphozyten entstehen. Ebenso glaubt man, daß anabole Steroide die Immunre­aktion bei Patienten, die an verschiedenen Krebsformen leiden, ver-bessern.224 Die Ergebnisse einer Studie lassen vermuten, daß die Verwendung anaboler Steroide die Aktivität der Makrophagena und die Immunaktivität auf Zellebene erhöht.225

Viele Sportler glauben, ihr Immunsystem sei gestärkt, wenn sie anabole Steroide einnehmen, zumindest was die Anfälligkeit fir Erkältungen und andere Infektionen anbelangt. Die meisten Athle­ten behaupten, sie fühlten sich stärker und könnten Erkrankungen besser widerstehen, wenn sie anabole Steroide verwenden. Für gewöhnlich fühlen sie sich nach Absetzen der anabolen Steroide anfälliger für bakterielle und virale Infektionen.

Neben anabolen Steroiden beeinflussen auch endogene Fakto­ren das Immunsystem von Sportlern,226 etwa das zentrale Nerven­system, Glucocorticoide, Catecholamine, sowie körpereigene Androgene, Opioide und Hypophysenhormone (Wachstumshor­mon). Auch physische Faktoren, wie hartes Training, Übertrai-ning227 und psychologische Faktoren wie z.B. Streß228 können die immunologische Reaktion verändern. Streß unterschiedlichster Art erhöht die Anfälligkeit fir Erkältungskrankheiten. Die Persönlich­keit eines Athleten kann ebenfalls ausschlaggebend sein — einige Untersuchungen zeigen, daß introvertierte Menschen eher zu

a    Makrophagen — Freßzellen, Bestandteil des Immunsystems

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

schweren Erkältungen neigen als extrovertierte. Bei Einnahme ana-boler Steroide fühlen sich viele Athleten eher besser vor gesundheit­lichen Beschwerden und Krankheiten geschützt, als eine Schwä­chung des Immunsystems zu empfinden. Es wäre möglich, daß die gesteigerte Widerstandskraft während des Gebrauchs anaboler Ste­roide von einer Art Hochgefiihl und der positiveren Einstellung her­rührt, welche die meisten Athleten unter dem Einfluß dieser synthetischen Hormone erfahren. Schließlich ist ja bekannt, daß unsere Gesundheit dadurch beeinflußt werden kann, wie man sich fühlt. Auch körperliche Aktivität hat positive Auswirkungen auf die innere Einstellung, erhöht die Endorphinaktivitäta und kann einen Anti-Streß-Effekt bewirken. All diese Faktoren verbessern die Im­munreaktion.

Andererseits können sich Athleten gerade nach Wettkämpfen unwohl und anfälliger für Krankheiten fühlen, egal ob sie anabole Steroide verwenden oder nicht. Es ist möglich, daß der emotionelle und körperliche Streß des Wettbewerbs sowohl IgE als auch IgA für einige Stunden bis Tage niederhält (wie es auch bei anstrengendem Training beobachtet werden kann), mit gleichzeitig erhöhtem Corti-sonserumspiegel (einem bekannten Widersacher des Immunsy­stems) und einer verringerten Aktivität der natürlichen Killerzellen (als Schlüsselelement der Immunfunktionen).

a Endorphine — körpereigene Opioide (opiatähnliche Substanzen), die Hochstimmung auslösen oder Schmerzen lindern können

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KAPITEL VII

ANDERE

NEBENWIRKUNGEN

AIDS UND HEPATITIS

Werden gebrauchte Spritzen und Nadeln verwendet, besteht die Gefahr einer Infektion mit Hepatitis B- oder AIDS-Viren (auch bei Präparaten wie hCG theoretisch möglich, da es menschlichen Ursprungs ist).

DICKDARMKREBS

Ein Fall von Adenokarzinom (Dickdarmkrebs), aufgetreten bei einem 27jährigen Bodybuilder, wird mit anabolen Steroiden in Zusammenhang gebracht.229 Es ist jedoch schwierig, diesem Ein­zelfall eine Bedeutung beizumessen, da die verwendeten Dosierun­gen und Zeiträume relativ unbedeutend erscheinen im Vergleich zu den Mengen, die in den letzten drei Jahrzehnten von Millionen Sportlern verwendet wurden (vier Behandlungen mit je fünf intra‑

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

muskulären Injektionen von 100 mg Metenolonenanthat, jeweils im Abstand von 10 Tagen, sowie Oxandrolon oral, 25 mg täglich über 14 Tage).

HÖHERE VERLETZUNGSANFÄLLIGKEIT
DURCH ANABOLE STEROIDE

Einige Wissenschaftler sind der Aùffassung, daß Athleten unter dem Einfluß anaboler Steroide anfälliger für Verletzungen sind, spe­ziell für Sehnenverletzungen.23o,231 Bei einer Untersuchung wurden Fehlbildungen wie Zerrungen und Risse der kollagenen Fibrillena in den Sehnen von Mäusen gefunden, die anabole Steroide erhiel-ten.232 Wie der Autor daraus schloß, macht die Behandlung mit anabolen Steroiden die Tiere anfälliger fir Sehnenrisse, besonders bei verstärkter körperlicher Aktivität. In einer neueren Studie kam derselbe Autor allerdings zu dem Ergebnis, daß anabole Steroide die Behandlung bestimmter Bindegewebsschäden durch Stimulie­rung von Synthese und Hypertrophie der kollagenen Fibrillen unterstützen können.233

Anabole Steroide beschleunigen eventuell auch die Heilung eini­ger Muskelverletzungen. Es werden aber noch weitere Untersuchun­gen benötigt, um die Auswirkungen anaboler Steroide auf gesundes und verletztes Bindegewebe bestimmen zu können, ebenso wie ihren Einfluß auf das Verhältnis von Muskelkraft zur Stärke der Sehnen, die Motivation, das Training und die Wettkampfintensität eines Sportlers sowie die Häufigkeit von Muskelverletzungen.

a     Fibrillen — feine, fadenthrmige Ausläufer von Muskelfasern oder Nerven- und Bindegewebszellen

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ANDERE NEBENWIRKUNGEN
INSULINRESISTENZ UND ANABOLE STEROIDE

Eine Insulinresistenz wird mit hyperandrogenen Zuständen in Zusammenhang gebracht. Unter dem Einfluß anaboler Steroide sind auch Sportler anfällig für verminderte Glucosetoleranzen, wahrscheinlich in Folge einer Insulinresistenz.234 In einer Studie wurde von Hypertrophie und Hyperplasie der Langerhans’schen Zellen“ bei drei Patienten berichtet, die wegen aplastischer Anä­mien androgen-anabole Steroide erhielten.235 Alle drei Patienten zeigten nach Einleitung der Androgenbehandlung eine verminderte Glucosetoleranz.

Bei Athleten, die anabole Steroide verwenden, könnte eine Insu-linresistenz durch nachlassende Empfindlichkeit gegen die Insulin-wirkung in peripheren Geweben und der Leber entstehen. Eine Untersuchung führte zu dem Ergebnis, daß die bei normalgewichti­gen, hyperandrogenen Frauen vorkommende Insulinresistenz mög­licherweise durch die Auswirkungen der Hyperandrogenämie auf Faserbildung und Stoffwechsel in der Skelettmuskulatur entsteht.236 Die bei männlichen und weiblichen Sportlern auftretende periphere Insulinresistenz könnte ähnliche Ursachen haben.

FEHLFUNKTIONEN DER NIEREN

Bislang ist ein Fall von Wilms Tumor (tritt gewöhnlich bei jungen Kindern, selten bei Erwachsenen auf) bei einem Athleten, der ana-bole Steroide verwandte, bekannt geworden.237

a    Langerhans’sche Zellen — Zellen der Bauchspeicheldrüse, in denen Insulin produziert wird

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NEBENWIRKUNGEN ANABOLER STEROIDE

PRIAPISMUS

Priapismus tritt manchmal nach der Verabreichung von Testosteron auf,Z38 ist bei Sportlern aber recht selten. Diese Fehlfunktion ent­steht durch Blutgerinnung in den Adern des Penis und kann zu Fibrose und erektiler Impotenz‘ führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.

PROSTATAHYPERPLASIE UND -KREBS

Prostatahyperplasie ist eine häufige Alterserkrankung bei Männern. Zwei Faktoren werden für das Wachstum der Prostata verantwort­lich gemacht — der natürliche Alterungsprozeß und Dihydrotesto-steron (DHT). Es wird vermutet, daß auch Östrogene eine Rolle dabei spielen, vielleicht durch Verstärkung der DHT-Wirkung. Die Pathogenese der Prostatahyperplasie ist aber noch weitgehend unbekannt, ebenso wie der Einfluß von Testosteron und anabolen Steroiden bei diesem Prozeß. Sportler zeigen bei Verwendung ana-boler Steroide normalerweise keine Symptome einer Prostatahyper-plasie, doch ist nicht bekannt, ob Athleten, die anabole Steroide über längere Zeit eingesetzt haben, verstärkt Prostataprobleme ent­wickeln, wenn sie älter werden.

Ein Fall von Adenokarzinom der Prostata im Zusammenhang mit anabolen Steroiden wurde bislang untersucht. Es fanden sich jedoch nur wenige Hinweise auf eine Verbindung zwischen der Anwendung anaboler Steroide und dem Prostatakrebs. Es handelte

a erektile Impotenz — Unfähigkeit, eine Erektion zu erreichen

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ANDERE NEBENWIRKUNGEN

sich um einen 38-jährigen Bodybuilder, Eigentümer eines Sportstu­dios, der seit 1966 wiederholt anabole Steroide eingesetzt hatte. Der Patient hatte sich etwa 15 mal anabole Steroide verabreicht, jeweils zwischen 4 und 12 Wochen lang, mit Pausen von sechs Monaten und mehr. Der Bodybuilder litt unter akuter Urinretention und die ärztliche Untersuchung ergab ein Prostatakarzinom.239

Männer mit Prostatakrebs weisen eine erhöhte Ausscheidungs-und Produktionsrate von Testosteron auf; der Östradiolstoffwechsel bleibt dabei unverändert.240 Bei der Behandlung von Prostatakrebs wird versucht, den Einfluß der körpereigenen Androgene so weit wie möglich zu vermindern, bis hin zur Kastration. Doch sind selbst nach einer Kastration noch entscheidende DHT-Mengen in der Prostata festgestellt worden, vermutlich bedingt durch einen erhöh­ten Plasmaspiegel an Androgenen, die außerhalb der Hoden produ­ziert wurden (hauptsächlich durch die Nebennieren), wie Dehydro-epiandrosteron (DHEA), sein Sulfat (DHEAS) und Androsten‑

dion.241

Zur Behandlung von Prostatakrebs haben sich langwirkende Analoga des GnRHs bewährt, da ein nicht-pulsatiles Angebot die­ses Hormons für den Hypophysenvorderlappen nicht nur die Frei­setzung von LH und Testosteron verringert,242°243 sondern auch die Ausschüttung von Androgenen aus den Nebennieren vermindert (GnRH Analoga siehe Anhang).

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QUELLEN

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